ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2015Bluttransfusion nach Operation: Restriktiv oder liberal – Langzeitüberleben unverändert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Bluttransfusion nach Operation: Restriktiv oder liberal – Langzeitüberleben unverändert

Heinzl, Susanne

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Bluttransfusionen können das Krebs- und Infektionsrisiko erhöhen, dies sind Gründe für restriktive Indikationsstellungen. Eine liberalere Strategie von Bluttransfusionen schützt dagegen vor kardiovaskulär bedingten Todesfällen, da Sauerstoffmangel vermieden wird. In einer weiteren Analyse der FOCUS-Studie wurde nun der Einfluss beider Strategien auf das Langzeitüberleben verglichen (1). In der randomisierten kontrollierten Transfusion Trigger Trial for Functional Outcomes in Cardiovascular Patients Undergoing Hip Fracture Repair (FOCUS) wurden Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder entsprechenden Risikofaktoren eingeschlossen, die in den ersten drei Tagen nach Hüftgelenkersatz wegen Oberschenkelhalsbruchs einen Hämoglobinwert (Hb) unter 10 g/dL aufwiesen.

In der einen Gruppe wurde ein Hb von 10 g/dL oder höher aufrecht erhalten (n = 1 007), in der anderen erst bei Werten unter 8 g/dL respektive bei Symptomen einer Anämie transfundiert (n = 1 009). Die Patienten der liberalen Gruppe erhielten etwa dreimal mehr Bluttransfusionen als die der restriktiven Gruppe. Beim primären Endpunkt der Studie, Tod oder Unfähigkeit ohne Hilfe durch einen Raum zu gehen nach 60 Tagen, hatten sich zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede ergeben (2). In der nun vorgelegten Analyse zur Wirkung der beiden Strategien auf die Langzeitsterblichkeit (sekundärer Endpunkt) ergab sich nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 3,1 Jahren wiederum kein Unterschied zwischen den beiden Strategien. In der Gruppe mit liberaler Transfusionsstrategie waren 432 Patienten verstorben, in der Gruppe mit restriktiver Strategie waren es 409 Patienten (Hazard-Ratio 1,09, p = 0,21). Auch die Todesursachen unterschieden sich nicht zwischen den beiden Gruppen. Am häufigsten verstarben die Patienten an kardiovaskulären Erkra

Langzeitüberleben nach liberaler vs. restriktiver Transfusionsstrategie bei Patienten mit Hämoglobinwerten < 10 g/dL nach einer Operation
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Langzeitüberleben nach liberaler vs. restriktiver Transfusionsstrategie bei Patienten mit Hämoglobinwerten < 10 g/dL nach einer Operation
nkungen (33 %), gefolgt von Krebserkrankungen (12 %) und Infektionen (9 %).

Diese prospektive Studie belegt damit zum einen, dass die bisher postulierten negativen Langzeiteffekte von Bluttransfusionen nicht bestätigt werden können. Zum anderen zeigt sie, dass eine restriktive Transfusionsstrategie das Langzeitüberleben der Patienten ebenfalls nicht negativ beeinträchtigt. Im Editorial wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Nachbeobachtungszeit von 3 Jahren relativ kurz sei und die Patienten nur geringe Transfusionsmengen erhalten hatten. Dies schränke den potenziellen Nutzen dieser Maßnahme ein. Möglicherweise könnten Studien mit jüngeren Patienten und höheren Transfusionsmengen oder eine Metaanalyse prospektiver Transfusionsstudien zur Klärung beitragen (3).

Fazit: Eine aktuelle Analyse der FOCUS-Studie ergab, dass sich Langzeitsterblichkeit und Todesursachen bei Patienten mit restriktiver oder liberaler Transfusionsstrategie nicht unterscheiden.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Carson JL, et al.: Liberal versus restrictive blood transfusion strategy: 3-year survival and cause of death results from the FOCUS randomised controlled trial. Lancet 2015; 385: 1183–9.
  2. Carson JL, et al.: Liberal or restrictive transfusion in high-risk patients after hip surgery. N Engl J Med 2011; 365: 2453–62.
  3. Ness PM, Frank SM: Enhancing patient blood management: a long-term FOCUS. Lancet 2015; 385: 1157–9.
Langzeitüberleben nach liberaler vs. restriktiver Transfusionsstrategie bei Patienten mit Hämoglobinwerten < 10 g/dL nach einer Operation
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Langzeitüberleben nach liberaler vs. restriktiver Transfusionsstrategie bei Patienten mit Hämoglobinwerten < 10 g/dL nach einer Operation

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