POLITIK

Deutscher Ärztinnenbund: Für eine gute Work-Life-Balance

Dtsch Arztebl 2015; 112(39): A-1554 / B-1298 / C-1270

Gerst, Thomas

Bei den Erstsemestern im Medizinstudium liegt der Frauenanteil bereits bei über 60 Prozent. Doch bei den Spitzenjobs dominieren immer noch die Männer. Damit sich hier etwas ändert, müssen flexible Arbeitszeitmodelle umgesetzt werden.

Es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Wenn irgendwann einmal Geschlechterparität erreicht ist, können wir gerne über die Männerquote diskutieren.“ Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, zeigte sich in Düsseldorf bei der Eröffnung des 34. Kongresses des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) am 18. September solidarisch mit den Zielen des Verbandes.

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Dem Begriff „Feminisierung der Medizin“ könne sie in diesem Kontext rein gar nichts abgewinnen, betonte Steffens; denn es werde mindestens noch zehn bis 15 Jahre dauern, bis gleich viele Frauen wie Männer ärztlich tätig sein werden. Noch müsse man eher von einer „Maskulinisierung“ der Medizin sprechen, führte Steffens aus und verwies insbesondere auf die Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung, die nach wie vor männlich dominiert seien.

Rudolf Henke, der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, kritisierte bei der Eröffnung des Ärztinnen-Kongresses, dass es immer noch zu wenige Ärztinnen in Führungspositionen gebe. Nach wie vor scheine dies unvereinbar mit einem Leben jenseits des Berufs. „Wie kriegen wir das organisiert, dass das Leben nicht eingetauscht werden muss gegen den Beruf?“ fragte Henke. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf. Denn es wachse eine neue Generation von Ärztinnen und Ärzten heran, die einer ausgeglichenen Work-Life-Balance eine hohe Bedeutung zumesse. „Diese junge Ärztegeneration will verwirklichen, was für vorangegangene Generationen meist nur ein Wunsch blieb: Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen“, sagte Henke. Wolle man die ärztliche Versorgung in Krankenhaus und Praxis künftig sicherstellen, müssten neue, individuell zugeschnittene Kinderbetreuungsmodelle und flexible Arbeitszeitmodelle, die zum Teil bereits erprobt seien, umgesetzt werden.

Der DÄB-Kongress stand unter dem Motto „Wir mischen uns ein“ – was auch in einem gesundheitspolitischen Schwerpunkt jenseits frauenspezifischer Themen seinen Ausdruck fand. Dort ging es um evidenzbasierte Medizin, Priorisierung und qualitätsorientierte Steuerung im Gesundheitswesen. Wie nötig es ist, dass sich Frauen einmischen – darauf wies Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) in einem Video-Grußwort an den Kongress hin. Sie dankte dem Ärztinnenbund für die Unterstützung des von ihr auf den Weg gebrachten Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen. „Viele werden von dem Kulturwandel profitieren, den das Gesetz anstößt.“

Thomas Gerst

Auszeichnung an Monika Hauser von medica mondiale

Dr. med. Christiane Groß, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, überreicht die Auszeichnung an Monika Hauser von medica mondiale. Foto: Jochen Rolfes
Dr. med. Christiane Groß, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, überreicht die Auszeichnung an Monika Hauser von medica mondiale. Foto: Jochen Rolfes

„Die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in Deutschland darf nicht länger so eingeschränkt bleiben.“ Auf dem 34. Kongress des Deutschen Ärztinnenbundes (17.–20. September) fand Dr. med. Monika Hauser, die Gründerin von medica mondiale e.V., deutliche Worte zur aktuellen Flüchtlingslage. Für ihr langjähriges Engagement für die weiblichen Opfer sexualisierter Gewalt nahm sie am 18. September in Düsseldorf die Auszeichnung „Mutige Löwin 2015“ des Ärztinnenbundes entgegen. Hauser wies darauf hin, dass viele Frauen, die jetzt nach Deutschland gelangten, auf ihrer Flucht Opfer sexueller Gewalt geworden seien. „Geradezu unerträglich ist es“, fuhr Hauser fort, „dass sich diese Gewalterfahrungen hierzulande fortsetzen“.

Hauser, 2008 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, forderte, dass alleinstehende Frauen bereits bei der Erstaufnahme der Flüchtlinge in Deutschland in eigenen Räumen untergebracht und versorgt werden. Es gebe, berichtete Hauser, sehr viele Anfragen von ärztlichen Kolleginnen, die von auf der Flucht vergewaltigten Frauen berichteten. Sie wies auf die schweren psychischen und gesundheitlichen Folgeschäden bei den betroffenen Frauen hin.

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