ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2015Knie-Arthroskopie bei anhaltenden Schmerzen: Metaanalyse ergibt nur einen geringen Zusatznutzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Knie-Arthroskopie bei anhaltenden Schmerzen: Metaanalyse ergibt nur einen geringen Zusatznutzen

Eckert, Nadine

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Bei Patienten mit persistierenden Knieschmerzen ist die Arthroskopie eine häufige Maßnahme. Verschiedene randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) zeigten allerdings keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber konservativen Ansätzen. Dennoch sind viele Experten von einem Effekt des Eingriffes überzeugt. Ein Review mit Metaanalyse analysierte neun RCTs, in denen die Arthroskopie (mit partieller Meniskusresektion, Debridement oder beidem) mit Sham-Eingriffen (auch Spülungen), Bewegung und Medikation verglichen wurde. Insgesamt 1 270 Patienten (49,7–62,8 Jahre alt) mit oder ohne Arthrosezeichen wurden 3–24 Monate beobachtet.

In der Primäranalyse ergab sich im Hinblick auf die Schmerzstärke ein kleiner, aber statistisch signifikanter Nutzen der Arthroskopie gegenüber den Kontrollbehandlungen. Ein signifikanter Nutzen fand sich postoperativ nach 3 und nach 6 Monaten, aber nicht zu späteren Zeitpunkten. Eine Funktionsverbesserung konnte nicht festgestellt werden. Berichte zu Komplikationen der Arthroskopie umfassten tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien, Infektionen und Tod. Die Autoren schlussfolgern, dass die Arthroskopie des Knies bei Patienten mittlerem und höherem Alters nur minimale und kurz andauernde Verbesserungen nach sich zieht, aber die Gefahr von Komplikationen mit sich bringt. In der Gesamtschau sei eine Arthroskopie des Knies für die untersuchte Patientengruppe daher nicht empfehlenswert.

Fazit: „Die Untersuchung unterstreicht einmal mehr die Problematik bei der wissenschaftlichen Bewertung der Arthroskopie beim Arthrose-Knie“, kommentiert Prof. Dr. med. Jörg Jerosch, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin am Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss. „Leider fehlen bei der Analyse detaillierte Betrachtungen des untersuchten Patientengutes und die Autoren gehen nur unzureichend auf den Placeboeffekt im Bereich der Arthrosetherapie ein.“ Patienten, die an einer RCT teilnehmen, spiegelten zudem nur etwa 7 % des üblichen Patientenkollektives in Praxen wider. „Die Studie zitiert zu Recht Expertenmeinungen, die der Auffassung sind, dass eine Arthroskopie bei Arthrose-Knien einen gewissen Effekt aufweist. Leider spiegelt sich dieser Effekt in Literaturreviews von RCTs aus den genannten Gründen nicht immer wieder“, so Jerosch. „Dieser Dissens sollte Berücksichtigung finden, bevor Kostenträger oder Politik allein aufgrund von RCTs Richtlinien vorlegen.“

Nadine Eckert

Thorlund JB, Juhl CB, Roos EM, Lohmander LS: Arthroscopic surgery for degenerative knee: systematic review and meta-analysis of benefits and harms. BMJ 2015; 16: h2747.

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