ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2015Frage der Woche an . . . Prof. Dr. med. Christian Witt, Leiter des Arbeitsbereichs Pneumologische Onkologie der Charité

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Dr. med. Christian Witt, Leiter des Arbeitsbereichs Pneumologische Onkologie der Charité

In einer Studie überprüfen Sie derzeit, ob sich der Heilungsverlauf von Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen durch eine konstant kühle Raumtemperatur verbessert. Gibt es bereits erste Erkenntnisse?

Glöser, Sabine

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Seit vergangenem Jahr verfügt die Charité über zwei Patientenzimmer mit einem speziellen Klimatisierungssystem. In einer Studie überprüfen Sie derzeit, ob sich der Heilungsverlauf von Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen durch eine konstant kühle Raumtemperatur verbessert. Gibt es bereits erste Erkenntnisse?

Witt: Die Lungen sind das Portalorgan des Klimawandels – das ist unsere Hypothese. Seit dem Jahr 2011 arbeiten wir an einer Studie über den Einfluss von hohen Umgebungstemperaturen auf die Morbidität und Mortalität von Patienten mit chronischen Lungenkrankheiten. Unterstützt werden wir dabei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

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Für diese Studie haben wir an der Charité neuartige konvektionsfreie Klimatisierungen in zwei Patientenzimmern installiert, um so den Effekt einer moderaten Klimatisierung zu untersuchen. In die prospektive randomisierte kontrollierte Studie haben wir Patienten eingeschlossen, die unter einer chronischen Lungenkrankheit leiden (COPD, Asthma bronchiale, pulmonale Hypertonie, idiopathische Lungenfibrose) und deren Symptomatik sich in der warmen Jahreszeit klinisch verschlechtert. Analysiert haben wir den Einfluss der Innenraumtemperatur im Krankenzimmer auf den Genesungsverlauf und die Krankenhausverweildauer bei Exazerbation.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Die Verweildauer von Patienten mit akuten Verschlechterungen eines chronischen Lungenleidens kann in entsprechend klimatisierten Krankenzimmern mit einer Innenraumtemperatur von 23 °C signifikant um mehr als einen Tag gesenkt werden. Darüber hinaus weisen die Patienten weniger Symptome auf und haben ein geringeres Krankheitsgefühl. Ferner sprechen telemetrische Parameter, wie tägliche Bewegungsimpulse im Sinne einer gewünschten Frühmobilisation, für die zusätzliche Innenraumklimatisierung in der warmen Jahreszeit.

Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass eine selektive, klinisch-indizierte Innenraumklimatisierung im „Krankenzimmer der Zukunft“ bei weiterer Erwärmung durch Klimawandel künftig nötig werden kann – wegen innerstädtischer Hitzeinseln insbesondere in urbanen Krankenhäusern.

Möglicherweise werden die finanziellen Mehraufwendungen für die Klimatisierung am Ende durch Einsparungen ausgeglichen, die sich durch eine kürzere Liegedauer der Patienten und die Komplikationsprävention ergeben. So könnte letztlich der Lungen-Patient von diesen neuen Erkenntnissen profitieren. sg

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