ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2015Antibiotikaresistenzen: Verknappungsgefahr
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Mit Interesse lese ich den Beitrag zu Antibiotika und Antibiotikaresistenzen. Die Problematik der immer enger werdenden Lücke zwischen resistenzgestählten Mikroben und immer zögerlicherer Neuentwicklung auf dem Antibiotikamarkt ist mir allerdings geläufig.

Ganz neu war mir jedoch bisher die Erfahrung in meinem Arbeitsalltag, dass . . . ein Basisantibiotikum, das in der Therapiestrategie der krankenhauspflichtigen Pneumonie ganz häufig und effektiv zum Einsatz kommt, plötzlich nicht mehr verfügbar ist.

Wie kommt das? Wirtschaftliche Zwänge haben dazu geführt, dass sich Pharmakonzerne immer mehr zusammenschließen und damit weniger werden. Wichtige Medikamente werden nur noch von einer Firma produziert. Und damit es sich rechnet, wird die Produktion der günstigeren Löhne wegen ins außereuropäische Ausland gelegt. Wenn nun dort die Produktionsqualität nicht aufrechterhalten werden kann, fällt die Versorgung mit diesem Medikament komplett aus.

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Amino- und Acylureidopenicilline sind hierzulande bereits teilweise nicht mehr lieferbar. Wie soll eine resistenzvermeidende antimikrobielle Therapie gewährleistet werden, wenn uns die nach „Antbiotic Stuartship“ empfohlenen Substanzen nicht zur Verfügung stehen? Reserveantibiotika müssen in dieser Situation häufiger als indiziert eingesetzt werden, und wir wissen, dies wird die Resistenzlage prekärer machen.

Ein Wirtschaftsgipfel dürfte sich durchaus um diese ökonomisch verursachten gravierenden Gesundheitsprobleme kümmern und sich um eine solche Fehlsteuerung und ihre Konsequenzen Gedanken machen, wenn das Thema Antibiotikaresistenzen angesprochen wird. In diesem Rahmen ist es fast nicht mehr ketzerisch zu fragen, ob die massenhafte Anwendung von Antibiotika in der Tierproduktion nicht erhalten bleiben sollte, damit sich die Produktion der Substanzen für die Firmen weiter lohnt und wir wenigstens über diese Schiene unsere Medikamente weiter anwenden dürfen. Ganz nebenbei: Diese Verknappungsgefahr trifft nicht nur Antibiotika.

Dr. med. Barbara Khanavkar, Altmark-Klinikum Salzwedel, 29410 Salzwedel

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