ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2015Palliative Krebsbehandlung: Chemotherapie erhöht Lebensqualität häufig nicht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Palliative Krebsbehandlung: Chemotherapie erhöht Lebensqualität häufig nicht

Meyer, Rüdiger

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Eine Chemotherapie hat in einigen früheren klinischen Studien bei Patienten im Endstadium einer metastasierten Karzinomerkrankung eine – wenn auch meist kurze – Lebensverlängerung bewirkt und die Lebensqualität (LQ) verbessert. Ein Vorteil wird am ehesten bei vergleichsweise gutem Allgemeinzustand (AZ) erwartet. In einer prospektiven Untersuchung (1) wurde bei Patienten mit metastasierten Karzinomen, deren Lebenserwartung die Ärzte auf maximal 6 Monate schätzten, zu Studienbeginn (median 3,8 Monate vor dem Tod) der AZ bestimmt und erfragt, ob eine palliative Chemotherapie erfolgte.

Kurz nach dem Tod wurden die engsten Betreuer der 312 Patienten (durchschnittlich 58,6 Jahre alt) nach der LQ in der letzten Lebenswoche gefragt. Die palliative Chemotherapie war nicht mit einer besseren LQ assoziiert, anders als erwartet auch nicht bei Patienten mit gutem AZ (ECOG 0–1, entsprechend einem Karnofsky-Index von ≥ 70 %). Zum einen lebten die Patienten nicht länger als solche mit vergleichbaren ECOG-Werten, die keine Chemotherapie erhalten hatten, das Risiko für eine schlechtere Lebensqualität war bei Chemotherapie sogar höher im Vergleich zu Patienten ohne Chemotherapie (Odds Ratio [OR] für Verschlechterung der LQ: 0,35; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 0,17–0,75). Bei Patienten mit ECOG 2 betrug die OR 1,06 (95-%-KI: 0,51–2,21) und für ECOG 3 lag die OR bei 1,34 (95-%-KI: 0,46–3,89). Dies weise, so die Autoren, tendenziell auf eine bessere LQ durch die Chemotherapie bei schlechterem AZ hin. Statistis

Lebensqualität kurz vor dem Tod in Abhängigkeit vom Performance-Status und einer Chemotherapie
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Lebensqualität kurz vor dem Tod in Abhängigkeit vom Performance-Status und einer Chemotherapie
ch war die Differenz aber nicht signifikant.

Fazit: Von einer Chemotherapie erwarten Patienten und Ärzte häufig auch im Endstadium einer Krebserkrankung eine Verbesserung der Lebensqualität. In einer prospektiven Studie hat sich diese Erwartung bei moderatem oder schlechtem AZ der Krebskranken nicht bestätigt, bei gutem AZ war die Chemotherapie kurz vor dem Tod sogar mit einer schlechteren LQ assoziiert.

In einem Editorial zur Studie (2) heißt es, das Ergebnis werfe die „fundamentale Frage“ auf, ob bei einer Lebenserwartung von wenigen Wochen eine Chemotherapie überhaupt sinnvoll sei, die Kommentatoren raten zur Zurückhaltung, viele Patienten und Angehörige überschätzten die Möglichkeiten der Chemotherapie und ließen sich auf einen „Kampf“ mit dem Krebsleiden ein, den sie „aus tumorbiologischen Gründen nur verlieren könnten“. Rüdiger Meyer

  1. Prigerson HG, Bao Y, et al.: Chemotherapy use, performance status, and quality of life at the end of life. JAMA Oncol 2015; DOI: 10.1001/jamaoncol.2015.2378
  2. Blanke CD, Fromme EK: Chemotherapy
    near the end of life. JAMA Oncol 2015; DOI: 10.1001/jamaoncol.2015.2378
Lebensqualität kurz vor dem Tod in Abhängigkeit vom Performance-Status und einer Chemotherapie
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