Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Diagnose und Differenzialdiagnose des Syndroms reaktionsloser Wachheit (SRW) (Synonyme: Wachkoma, apallisches Syndrom [AS/VS]) setzt besondere Kenntnis und Erfahrung voraus. Es gilt, die mit 37–43 % inakzeptabel hohe Fehldiagnoserate beim SRW durch ein verbessertes Qualitätsmanagement zu reduzieren. Beizupflichten ist der Feststellung, dass die Grundlage für die Diagnose eines AS/SRW die standardisierte neurologische Untersuchung ist. Semantisch bezeichnen SWR und minimaler Bewusstseinszustand (SMB/MCS) zwei klinisch gut unterscheidbare funktionelle Durchgangssyndrome. Reliabilität und Validität der deutschen Koma-Remissions-Skala (KRS) bei der Zuordnung Koma, AS und MCS in der neurologischen Frührehabilitation hatten Fachärzte, Kostenträger und Politiker überzeugt (SGB IX). Für die ausgewerteten Studien vermissen wir eine kritische Diskussion zu Evaluation und Evidenz der Art und Weise jeweils angewandter neurologischer Untersuchungsabläufe mit Bezug zur Diagnosefehlerquote. Wurden Empfehlungen der europäischen AS/VS Guidelines angewendet (1)? Im Review (2) wurden diese Empfehlungen nicht diskutiert. Evidenzbasierte, bettseitige Untersuchungstechniken blieben unerwähnt. Wir hatten eine 3-jährige Weiterbildungszeit in einer Spezialabteilung für AS-Patienten empfohlen. Diese Qualifikation erlaubt eine ärztlich-neurologische Expertise und gestattet die Diagnosefehlerquote beim SRW durch exakte Zuordnung der Symptomatologie im Durchgangssyndrom zu verringern. Zu Ätiologie, SRW-Vollbild und klinischer Dynamik in den Rückbildungsstadien fehlen ergänzende Tabellen, wie sie in den Guidelines modifiziert zusammengestellt (3) und unverändert gültig sind. Nicht nur Neurotraumatologen interessiert beim SWR und SMB neben dem Patientenalter insbesonders die prognostische Bedeutung von Ursache, Lokalisation und Ausmaß der zugrundeliegenden Hirnschädigung und ihre funktionellen Veränderungen über die Zeit. Ergänzende Hinweise zur funktionellen Bildgebung geben Zakharova et al. (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0680a

Prof. Prof. h.c. mult. Dr. med. Dr. h.c. Klaus R.H. von Wild
Neurochirurgie, Neurorehabilitation, Medizinische Fakulät der WW-Universität Münster, kvw@neurosci.de

Prof. emer. Dr. Dr. hc. mult. Franz Gerstenbrand
Neurologie und Psychiatrie, Wien

Prof. Alexander Potapov, MD. PhD
Neurosurgery
The BURDENKO Neurosurgery Institute,
Moscow RUSSIA

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
von Wild, K, Gerstenbrand F, Dolce G, et al.: Guidelines for quality management of apallic syndrome/vegetative state. Eur J Trauma Emerg Surg 2007; 3: 268–92 CrossRef
2.
Bender A, Jox RJ, Grill E, Straube A, Lulé D: Persistent vegetative state and minimally conscious state—a systematic review and meta-analysis of diagnostic procedures. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 235–42 VOLLTEXT
3.
Gerstenbrand F: The symptomatology of the apallic syndrome. In: Dalle Ore G, Gerstenbrand F (eds.): Theapallic syndrome. Heidelberg, New York 1977: 14–21 CrossRef MEDLINE
4.
Zakharova N, Kornienko V, Potapov A, Pronin I: Neuroimaging of traumatic brain injury. Cham, Heidelberg, New York, Dordrecht, London: Springer 2014: 69–123 CrossRef CrossRef
1.von Wild, K, Gerstenbrand F, Dolce G, et al.: Guidelines for quality management of apallic syndrome/vegetative state. Eur J Trauma Emerg Surg 2007; 3: 268–92 CrossRef
2.Bender A, Jox RJ, Grill E, Straube A, Lulé D: Persistent vegetative state and minimally conscious state—a systematic review and meta-analysis of diagnostic procedures. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 235–42 VOLLTEXT
3.Gerstenbrand F: The symptomatology of the apallic syndrome. In: Dalle Ore G, Gerstenbrand F (eds.): Theapallic syndrome. Heidelberg, New York 1977: 14–21 CrossRef MEDLINE
4.Zakharova N, Kornienko V, Potapov A, Pronin I: Neuroimaging of traumatic brain injury. Cham, Heidelberg, New York, Dordrecht, London: Springer 2014: 69–123 CrossRef CrossRef

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote