ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Pneumologie & Allergologie 2/2015Adaptive Servoventilation: Cave bei der Patientenauswahl

SUPPLEMENT: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Adaptive Servoventilation: Cave bei der Patientenauswahl

Dtsch Arztebl 2015; 112(40): [30]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2015.10.02.08

Meyer, Rüdiger

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Ein Gerät zur adaptiven Servoventilation, das für Patienten mit zentraler Schlafapnoe entwickelt wurde, hat in einer Studie die klinischen Folgen einer chronischen Herzinsuffizienz nicht abschwächen können. Die auf dem Kongress der European Society of Cardiology vorgestellten Ergebnisse dokumentieren sogar einen Anstieg der Sterblichkeit, was im Vorfeld zu einer Sicherheitswarnung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geführt hatte.

Im fortgeschrittenen Stadium der Herzinsuffizienz kommt es häufig zu einer zentralen Schlafapnoe, die sich typischerweise als Cheyne-Stokes-Atmung manifestiert. Sie besteht aus wiederkehrenden Zyklen, bei denen der Atemfluss des Patienten zunächst nachlässt, um dann nach einer Unterbrechung (Apnoe) wieder anzuschwellen, bis die Atmung erneut langsamer wird. Der wiederholte Sauerstoffmangel in den Apnoe-Phasen und die Aktivierung des sympathischen Nervensystems schaden nicht nur dem Gehirn, sie sind auch für das Herz ein Stressfaktor, der bei der Herzinsuffizienz den Ausschlag für eine Dekompensation oder einen Herztod geben kann.

Ein Spezialgerät für die Behandlung der zentralen Schlafapnoe (Firma ResMed) analysiert Anzahl und Tiefe der Atemzüge und führt dann über einen Filter das notwendige Maß an Raumluft zu. Dadurch wird eine kontinuierliche Sauerstoffaufnahme über die Lungen sichergestellt. Es wurde daher erwartet, dass die adaptive Servoventilation die nächtliche Atmung der Patienten der SERVE HF-Studie (n = 1 325; NYHA II-IV, (LVEF < 45 Prozent) verbessert.

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Dies war technisch gesehen auch der Fall. Die Zahl der stündlichen Atemaussetzer (gemessen im Apnoe-Hypopnoe-Index AHI), nahm von durchschnittlich 31 auf 6,6 pro Stunde ab. Die erhoffte günstige Wirkung auf den primären Endpunkt – einen vorzeitigen Tod oder lebensrettende Herz-Kreislauf-Intervention (Herztransplantation, Implantation eines Herzunterstützungssystems, Wiederbelebung nach plötzlichem Herzstillstand oder andere lebensrettende Maßnahmen) – blieb jedoch aus.

Der Endpunkt trat in der Servoventilations-Gruppe nach median 31 Monaten bei 54,1 Prozent der Patienten und in der Kontrollgruppe bei 50,8 Prozent auf (Hazard Ratio mit 1,13; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,97 bis 1,31; nicht signifikant). Gravierender war, dass es im Verumarm zu signifikant mehr Todesfällen kam (34,8 gegenüber 29,3 Prozent in der Kontrollgruppe; Hazard Ratio 1,28; 1,06–1,55). Auch die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit war mit 29,9 gegenüber 24,0 Prozent signifikant erhöht (Hazard Ratio 1,34; 1,09–1,65).

Diese Ergebnisse hatten im Vorfeld der Publikation deutsche Fachgesellschaften bewogen, jenen Patienten, die die Einschlusskriterien erfüllen, von einer adaptiven Servoventilation abzuraten.

Für Patienten mit weniger eingeschränkter kardialer Funktion, bei denen keine prädominante zentrale Schlafapnoe vorliegt oder bei denen die Therapie wegen anderer zugrunde liegender Erkrankungen durchgeführt wird (zum Beispiel koexistierende Schlafapnoe, komplexe Schlafapnoe, opiatinduzierte Schlafapnoe) durfte die Therapie auch nach Einschätzung des BfArM weiter durchgeführt werden.

DOI: 10.3238/PersPneumo.2015.10.02.08

Rüdiger Meyer

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