ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2015Intravitreale Therapie von Augenerkrankungen: Topische Antibiose für Infektprophylaxe nicht sinnvoll

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Intravitreale Therapie von Augenerkrankungen: Topische Antibiose für Infektprophylaxe nicht sinnvoll

Gerste, Ronald D.

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Seit Einführung der VEGF-Inhibitoren und verschiedener Steroide zur Therapie der altersabhängigen Makuladegeneration, nach retinalem Venenverschluss und bei diabetischem Makulaödem werden jährlich in Deutschland hunderttausende Injektionen in den Glaskörper vorgenommen. Die gefürchtetste Komplikation ist die Endophthalmitis. Eine große Studie aus dem Wills Eye Hospital in Philadelphia ist der Frage nachgegangen, ob die Applikation topischer Antibiotika die Häufigkeit dieser schweren, intraokularen Infektion zu senken vermag. Erfasst wurden 117 171 Injektionen, von denen mehr als 57 000 in 28 Monaten erfolgten. In diesem ersten auf die Glaskörperinjektion folgenden Zeitraum wurden Vancomycin- und Tobramaxin-Augentropfen (4-mal täglich an 4 Tagen) gegeben. Es folgte eine achtmonatige Übergangsperiode mit mehr als 24 000 Injektionen, in der die Antibiotikagabe reduziert wurde, und schließlich eine 9 Monate dauernde Periode mit 34 900 Injektionen ohne lokale Antibiose. Das Ergebnis: Die Antibiotikagabe hatte keinen Einfluss auf die Inzidenz der Endophthalmitis: ein verdächtiger Befund trat in jener Phase, in denen topische Antibiotika gegeben wurden, 28-mal auf (einmal pro 2 059 Injektionen), bei 10 dieser Befunde und damit einmal pro 5 765 Injektionen war die Kultur positiv auf Streptokokken, Enterokokken oder koagulasenegative Staphylokokken. In der antibiosefreien Zeit war dies sogar seltener: ein verdächtiger Befund trat einmal pro 3 173 Injektionen und eine positive Zellkultur einmal pro 8 725 Injektionen auf.

Fazit: Auch wenn eine Endophthalmitis bei intravitrealer Injektion sehr selten ist, lässt die Häufigkeit dieses oft über Jahre notwendigen Eingriffs die Wahrscheinlichkeit steigen. Infektionsprophylaxe ist sinnvoll, zum Beispiel durch strikte Einhaltung der Vorgaben zur Sterilität und Applikation von Povidon-Jod. Topische Antibiotika senken die Infektionshäufigkeit nicht. „Wir empfehlen keine routinemäßige Antibiotikagabe nach intravitrealer Injektion“, resümieren die Autoren.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Storey P, et al.: The role of topical antibiotic prophylaxis to prevent endophthalmitis after intravitreal injection. Ophthalmology 2014; 121: 283-9.

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