ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2015Versorgungsforschung: Erstaunt
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Mit Erstaunen haben wir den Kommentar von Afschin Gandjour zur wissenschaftlichen Ausrichtung der Versorgungsforschung zur Kenntnis genommen . . .

Die Forschungsmethodik, derer sich die Versorgungsforschung bedient, beschränkt sich keinesfalls auf Kosten-Nutzen-Analysen. Evidenzbasierte Medizin (EbM) und Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (evidence based health care, EbHC) lassen sich im Methodenrepertoire keineswegs auf randomisierte kontrollierte Studien reduzieren. EbM ist kein durch staatliche Instanzen verordnetes und einer Zentralverwaltungswirtschaft entsprechendes Regulationsverfahren. Im Gegenteil, es ist der höchst komplexe, das eigene methodische Denken und die vorhandenen Erfahrungen herausfordernde Anspruch, belastbare wissenschaftliche Ergebnisse und konkretes Erfahrungswissen in einer Anwendungssituation zusammenzuführen. So könnte man jeden Satz des Kommentars aufgreifen und belegen, dass die Aussagen fachlich falsch und irreleitend sind.

Versorgungsforschung ist ein Bereich der Gesundheitswissenschaft und der Medizin, der sich aus verschiedenen methodischen Quellen speist, der als Gegenstände Strukturen und Prozesse des Gesundheitssystems auf den unterschiedlichsten lokalen, nationalen und internationalen Ebenen untersucht.

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EbM und EbHC sind Handlungsansätze, die sich um die Umsetzung des bestverfügbaren Wissens in die jeweilige medizinische und Gesundheitssystem-Praxis kümmern. Sie sind in ihrem Methodenarsenal bei Weitem nicht auf RCTs beschränkt, wenngleich für Fragen nach der Wirksamkeit und Effizienz dieser Studienansatz den Goldstandard darstellt, an dem sich andere Forschungsmethoden messen lassen müssen. Auch in der Versorgungsforschung gilt, dass die konkrete Forschungsfrage das Forschungsdesign bestimmt . . .

Prof. Dr. rer. nat. Johannes Haerting, Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik
Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft,
Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsklinikum Halle (Saale),
06097 Halle (Saale)

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