MEDIZINREPORT

Therapiealternativen: Wenn Antibiotika knapp werden

Dtsch Arztebl 2015; 112(40): A-1622 / B-1345 / C-1317

Fätkenheuer, Gerd; Kern, Winfried; Klinker, Hartwig

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Derzeit kommt es zu Lieferengpässen der Antibiotika Ampicillin/Sulbactam und Flucloxacillin. Über Therapieempfehlungen für Erwachsene bei Nichtverfügbarkeit der Antiinfektiva klärt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie auf.

Derzeit kommt es auf dem internationalen, aber auch dem deutschen Arzneimittelmarkt wiederholt zur Lieferunfähigkeit pharmazeutischer Unternehmen – teilweise mit schwer zu ersetzenden Präparaten. Noch im August sorgte der Mangel an Melphalan, einem Standardmedikament für Patienten mit Multiplem Myelom, für Schlagzeilen. Im Bereich der Antiinfektiva sind besonders Standardantibiotika aus der Klasse der ß-Lactame betroffen, die laut WHO zu den unentbehrlichen Arzneistoffen gehören.

Im aktuellen Fall führten Probleme bei der Herstellung des Antibiotikums Ampicillin/Sulbactam zu Engpässen, die eine erhöhte Nachfrage an Flucloxacillin nach sich zogen. Das wiederum führte auch bei diesem Antibiotikum zu einem Mangel. Allgemein sind die Ursachen von Engpässen bei Arzneimitteln vielfältig. Die Auswirkungen sind aber eindeutig: wirksame und gut verträgliche Substanzen können bei vorhandenen Indikationen nicht eingesetzt werden. Häufig stellt sich deshalb die Frage nach Ersatzlösungen, wie derzeit insbesondere für die Medikamente Ampicillin/Sulbactam sowie Flucloxacillin. Um in dieser Situation konkrete praktische Hilfestellung zu geben, hat die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) eine Liste von Medikamenten erstellt, die je nach Indikation ersatzweise angewendet werden können.

Therapiealternativen zur intravenösen Gabe von Ampicillin/Sulbactam für Erwachsene nach Indikationsgebiet
Tabelle
Therapiealternativen zur intravenösen Gabe von Ampicillin/Sulbactam für Erwachsene nach Indikationsgebiet

Intravenös verabreichtes Flucloxacillin ist das Mittel der Wahl zur Behandlung von schweren Infektionen durch Methicillin suszeptiblen Staphylococcus aureus (MSSA). Glykopeptide (Vancomycin, Teicoplanin) sind grundsätzlich auch wirksam gegen MSSA, in ihrer Wirkung aber den ß-Lactamantibiotika unterlegen. Deshalb werden sie nicht für den Einsatz bei MSSA-Infektionen empfohlen (Ausnahme: schwere Allergie gegen ß-Lactam-antibiotika). Das Standard-Ersatzmittel für Flucloxacillin bei schweren Infektionen mit MSSA ist deshalb Cefazolin in der Dosierung 3 × 2 g pro Tag.

Eine Reihe von weiteren Substanzen eignet sich ebenfalls zur Behandlung von MSSA-Infektionen, falls der Einsatz von Cefazolin nicht möglich ist. In dieser Situation müssen Einzelfallentscheidungen getroffen werden, für die hier keine allgemeine Empfehlung gegeben werden kann. Nach Möglichkeit sollte in diesen Fällen ein infektiologisches Konsil eingeholt werden.

Prof. Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Köln

Prof. Dr. med. Winfried Kern, Freiburg

Prof. Dr. med. Hartwig Klinker, Würzburg
für den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI)

Therapiealternativen zur intravenösen Gabe von Ampicillin/Sulbactam für Erwachsene nach Indikationsgebiet
Tabelle
Therapiealternativen zur intravenösen Gabe von Ampicillin/Sulbactam für Erwachsene nach Indikationsgebiet

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