ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2015Frage der Woche an . . . Privat-Dozent Dr. Philipp Kümpers

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Privat-Dozent Dr. Philipp Kümpers

Sie haben eine App „Notfallstandards“ eingeführt, um Ärzten insbesondere in Notfallsituationen schnelle Informationen an die Hand zu geben. Welche Möglichkeiten bieten Sie den Kolleginnen und Kollegen?

Glöser, Sabine

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Kümpers: Das Programm ist ein Nachschlagewerk für alle in der Notaufnahme tätigen Ärzte, quasi eine Art Fachlexikon für die Kitteltasche, entwickelt vom Universitätsspital Basel. Vor allem für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen ist die App hilfreich, da auf rund 1 000 Folien nahezu alle relevanten Differenzialdiagnosen für die Notaufnahme abgebildet sind und sie einen kurzen symptom- und fachorientierten Leitfaden liefert. Die App kann also immer hinzugezogen werden, wenn die Ursache nicht sofort eindeutig festzustellen ist.

Beispiel hohes Fieber: Wenn typische Ursachen wie ein Infekt, die Rückkehr aus dem Ausland, Grunderkrankungen wie HIV oder Ähnliches ausgeschlossen sind, gibt das Programm Hinweise auf eher seltene Ursachen oder Erkrankungen, die längst nicht zum Alltag in Notaufnahmen gehören. Die App unterstützt uns Mediziner damit bei der Ursachensuche vom Allgemeinen zum Speziellen: Die ersten Ebenen bieten eine Übersicht über relevante Differenzialdiagnosen, auf den nachfolgenden Ebenen werden dann Diagnostik und Therapie in Form von übersichtlichen und leitlinienorientierten Algorithmen dargestellt.

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Gerade in turbulenten Zeiten in einer Notaufnahme ist die App sehr hilfreich, da sie zum einen sicherstellt, dass seltene Differenzialdiagnosen nicht vergessen werden. Zum anderen spart sie schlichtweg Zeit, was zum Beispiel bei Intoxikationen wichtig ist.

Der schnelle Zugriff gilt auch für Ansprechpartner und Telefonnummern. Zwar arbeitet die App mit standardisierten Folien, diese kann jedoch jede Klinik selbst modifizieren. Wir haben rund 70 Folien bearbeitet und auf unsere Standards angepasst. Vor allem die Möglichkeit, Telefonlisten und Links zu Dokumenten in unserem Intranet zu hinterlegen, bietet den Kolleginnen und Kollegen eine schnelle Reaktionsbasis. Wir haben in der Notaufnahme alle sechs Monate elf neue Assistenzärztinnen und Ärzte, was einen schnellen Überblick ohne allzu große Einarbeitung besonders wichtig macht.

Der Zugriff auf die für unser Klinikum angepasste Version ist an jedem PC im Haus möglich. Die App kann über die Zweigbibliothek unserer Medizinischen Fakultät für iPhone und iPad heruntergeladen werden. Die Lizenz gilt nun erst einmal für vier Jahre. Das ist eine gute Zeit, um die App im täglichen Gebrauch fest zu etablieren.

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