ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2015Elektronische Kommunikation: Datennetz ohne Parallelstruktur

POLITIK

Elektronische Kommunikation: Datennetz ohne Parallelstruktur

Dtsch Arztebl 2015; 112(41): A-1647 / B-1367 / C-1339

Beerheide, Rebecca; Krüger-Brand, Heike E.

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Da sich der Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur seit Jahren hinzieht, baut die KBV weiter ihr digitales Kommunikationsnetz aus. Geplant ist, dass beide Netze in einigen Jahren verknüpft werden.

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz und dem künftigen E-Health-Gesetz müssen neue digitale Anwendungen für die tägliche Arbeit in die Arztpraxen eingeführt werden. Um hier Praxen und Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) technische Möglichkeiten anzubieten, baut die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) weiterhin das „Sichere Netz der KVen“ – kurz SNK – aus. Obwohl die Tele­ma­tik­infra­struk­tur mit dem E-Health-Gesetz nun forciert werden soll, will die KBV zunächst weiter in ihre Netzwerklösung investieren. „Es ist das größte, sicherste und das bereits bestehende Online-Netzwerk, das es im Gesundheitswesen gibt“, erklärte der KBV-Vorsitzende Dr. med. Andreas Gassen.

Bis die Tele­ma­tik­infra­struk­tur starte, sei mit dem SNK ein sicheres Netz für das Gesundheitswesen verfügbar. Parallelstrukturen oder künftige Schnittstellenprobleme der Software zwischen SNK und Tele­ma­tik­infra­struk­tur sieht Gassen nicht. „Solange es die Tele­ma­tik­infra­struk­tur noch nicht gibt, werden wir das SNK weiter betreiben. In dem künftigen System können sehr viele Player andocken“, so Gassen.

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Das sichere Netz der KVen (SNK) hatte Ende Septem- ber rund 76 000 Teilnehmer. Ebenso sind nach KBV-Angaben 420 Krankenhäuser angeschlossen.
Das sichere Netz der KVen (SNK) hatte Ende Septem- ber rund 76 000 Teilnehmer. Ebenso sind nach KBV-Angaben 420 Krankenhäuser angeschlossen.
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Das sichere Netz der KVen (SNK) hatte Ende Septem- ber rund 76 000 Teilnehmer. Ebenso sind nach KBV-Angaben 420 Krankenhäuser angeschlossen.

Täglich mehr Teilnehmer

Die Teilnehmerzahlen in den Arztpraxen nehmen von Tag zu Tag zu, nach aktuellem Stand sind rund 76 000 Teilnehmer gemeldet, Tendenz steigend. In den KV-Regionen Niedersachsen, Westfalen-Lippe, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Brandenburg seien bereits Teilnahmequoten von 100 Prozent erreicht. In anderen Regionen hinke die Teilnahme noch hinterher – so gibt es in Bayern 40,2 Prozent der Ärzte, die in dem Netz kommunizieren, in Baden-Württemberg sind es 21,4 Prozent, in Hamburg und Berlin je sieben Prozent. Diese Unterschiede lassen sich dadurch erklären, dass die 17 KVen unterschiedlich schnell die Digitalisierung vorantreiben und auf unterschiedliche Systeme setzen. „Ich bin mir sicher, dass wir in einem Jahr bei einer Abdeckung von 100 Prozent liegen“, sagte Gassen.

Das SNK biete auch eigene Anwendungen, die nur Praxisärzte benötigen, beispielsweise eine Online-Lösung zum unkomplizierten Tausch von Notdiensten, erklärte Dr. rer. soc. Thomas Kriedel vom Vorstand der KV Westfalen-Lippe. Kriedel berichtete von verschiedenen erfolgreichen Projekten, wie der Arzneimittelinitiative ARMIN, bei der in Sachsen und Thüringen die jeweiligen KVen, die Apotheker sowie die AOK Plus auf der digitalen Basis des SNK-Systems zusammenarbeiten. Das Uniklinikum Aachen nutzt das Modul der „Fallakte Plus“, das ebenfalls im Rahmen des SNK verfügbar ist.

Sichere Kommunikation

Eine besondere Rolle spielt auch KV-Connect, der sichere Kommunikationskanal im SNK. Er umfasst eine eigene Public-Key-Infrastruktur und eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und kann über Schnittstellen direkt in die Praxissoftware integriert werden. Zu den bereits seit Jahren etablierten Anwendungen zählt beispielsweise die 1-Click-KV-Abrechnung, die von allen Softwarehäusern in den Systemen umgesetzt worden ist.

Die zweite Anwendung, die vor mehr als einem halben Jahr spezifiziert wurde, ist der elektronische Arztbrief. Dieser dürfte durch das geplante E-Health-Gesetz einen besonderen Schub erhalten, denn bis zur Verfügbarkeit der bundesweiten Tele­ma­tik­infra­struk­tur soll er über das SNK versandt und extra vergütet werden (siehe auch Folgeartikel „Die Zeit wird knapp“). Zu bereits etablierten KV-Connect-Anwendungen zählen auch die elektronischen Disease-Management-Programme (eDMP) und der Datenaustausch mit der gesetzlichen Unfallversicherung; viele weitere Lösungen sollen sukzessive hinzukommen.

„Das SNK-System ist nicht nur für die Ärzteschaft, sondern offen für viele Formen der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen“, erklärt Kriedel. Natürlich sei die KBV als einer der Gesellschafter der gematik am Erfolg der Tele­ma­tik­infra­struk­tur interessiert, man arbeite „mit Hochdruck“ daran, dass die Termine eingehalten werden können. „Allerdings: Hätten wir das SNK nicht, könnten wir Ärzten gar nichts anbieten“, sagte Gassen.

Das sichere Netz der KVen (SNK) hatte Ende Septem- ber rund 76 000 Teilnehmer. Ebenso sind nach KBV-Angaben 420 Krankenhäuser angeschlossen.
Das sichere Netz der KVen (SNK) hatte Ende Septem- ber rund 76 000 Teilnehmer. Ebenso sind nach KBV-Angaben 420 Krankenhäuser angeschlossen.
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Das sichere Netz der KVen (SNK) hatte Ende Septem- ber rund 76 000 Teilnehmer. Ebenso sind nach KBV-Angaben 420 Krankenhäuser angeschlossen.

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