ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2015Nierentransplantation: Bluttest zur Früherkennung von Abstoßungsreaktionen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nierentransplantation: Bluttest zur Früherkennung von Abstoßungsreaktionen

Siegmund-Schultze, Nicola

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Trotz der Weiterentwicklungen bei der Abstoßungsprophylaxe treten bei 15 bis 20 % der Empfänger einer Niere akute Rejektionen (AR) auf. Peripherer Marker für den Verdacht auf Abstoßung ist der Anstieg des Serumkreatinins, Standardprozedere für die Abklärung das Biopsieren des Transplantats. Veränderungen des Serumkreatinins sind aber nicht spezifisch für Rejektionen. Seit längerem werden Biomarker aus dem Blut für das nichtinvasive Monitoring erforscht.

Nun hat eine Arbeitsgruppe mit Federführung an der chirurgischen Klinik der Universität San Francisco einen Gentest auf Basis der quantitativen PCR entwickelt, der in erster klinischer Prüfung das Abstoßungsrisiko gut vorhersagte. Aus 43 Genen, deren Expressionslevel sich bei Abstoßungen verändern, selektierten die Forscher 17 Gene, mit deren Expressionsmuster sich Abstoßungen am zuverlässigsten vorhersagen ließen, wenn die Testergebnisse mit denen von Biopsien verglichen wurden (kSORT für kindey solid organ response test). Nach einer Trainings- und einer Validierungsphase mit insgesamt mehr als 360 Blutproben ergab sich eine Sensitivität von 92,3 % (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 79,13–98,38%), eine Spezifität von 93,5 % (95-%-KI: 82,1–98,6 %), ein positiver Vorhersagewert von 93,2 % und ein negativer Vorhersagewert von 93,5 %. Mit dem kSORT ließen sich Abstoßungen bis zu 3 Monate früher erkennen als über das Standardprozedere. Die Zuverlässigkeit war unabhängig vom Alter der Patienten und vom Zeitabstand zur Transplantation. Auch wurde ein Algorithmus entwickelt zur Identifikation von hohem und niedrigem Risiko.

Sensitivität und Spezifität des kSORT-Tests zur Feststellung von Abstoßungsreaktionen nach Nierentransplantationen
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Sensitivität und Spezifität des kSORT-Tests zur Feststellung von Abstoßungsreaktionen nach Nierentransplantationen

Fazit: Der Genexpressionstest kSORT hat beim nichtinvasiven Monitoring von Nierenempfängern eine hohe Sensitivität und Spezifität ergeben. Ein Nachteil: Es lässt sich damit nicht zwischen zellulärer und humoraler Abstoßung unterscheiden, was durchaus therapierelevant wäre. „Die Publikation bietet einen faszinierenden Ausblick auf künftige Möglichkeiten der frühzeitigen, nicht-invasiven Diagnose einer Nierentransplantatabstoßung“, kommentiert Prof. Dr. med. Oliver Witzke, Nephrologe am Universitätsklinikum Essen. „Allerdings muss das Vorgehen in einer prospektiven Studie überprüft werden. Darin müssten auch präzise Details zur Immunsuppression und dem Zeitpunkt der Probenabnahme nach der Transplantation sowie eine größere Zahl von Patienten mit interferierenden Diagnosen wie Harnwegsinfektionen und Polyomavius-BK-Nephropathie evaluiert werden. Zudem sind die Patienten-Kohorten mit pädiatrischen und eher jungen adulten Transplantatempfängern und einem jungen Alter der Spender sowie die angewandte Immunsuppression mit der Gabe depletierender Antikörper bei dem überwiegenden Teil der Patienten nicht repräsentativ für das Gros der Nierentransplantationen in Deutschland. Es bleibt zu hoffen, dass der in der Publikation gewählte Ansatz den Test in prospektiven und differenten Kohorten bestehen kann.“

Roedder S, Sigdel T, Salomonis N, et al: The kSORT assay to detect renal transplant patients at high risk for acute rejection: results of the multicenter AART Study. PloS Medicine 2014; 11: e1001759.

Sensitivität und Spezifität des kSORT-Tests zur Feststellung von Abstoßungsreaktionen nach Nierentransplantationen
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