ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2015Börsebius: Er läuft und läuft und läuft nicht mehr

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Börsebius: Er läuft und läuft und läuft nicht mehr

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Eine Kolumne über VW zu schreiben, ist ein riskantes Unterfangen. Zunächst einmal ist vermutlich alles schon irgendwie ausformuliert worden, und zum anderen harrt der Verfasser mit gehörigem Respekt auf die Zeiten nach dem Redaktionsschluss, es könnten sich ja noch ganz andere grausamere Abgründe auftun. Aber sei’s drum. VW ist das Börsenthema Numero Eins.

Mit dem einprägsamen Slogan „Er läuft und läuft und läuft“ hat sich VW lange Jahre vor allem mit dem legendären Käfer in die Herzen der Autoliebhaber eingeschlichen. Später kam dann bei der Konzerntochter Audi der Spruch „Vorsprung durch Technik“ dazu. Genau betrachtet ganz schön verräterisch. Die furchtbare Geschichte mit der Manipulationssoftware brach über das Unternehmen und damit auch den Aktienkurs wie ein Orkan herein. Börsianer haben für so etwa den Begriff „Schwarzer Schwan“ erfunden. Damit ist ein Ereignis
gemeint, das bei bestem Wissen und Gewissen niemand auf der Agenda haben kann und dessen Folgen erst recht kaum abschätzbar sind. Das ist wohl wahr. Niemand weiß heute sicher, wie sich der Skandal für den Volkswagenkonzern auswirken wird.

Aber interessant ist und bleibt die Geschichte hinter der Geschichte. Wer hat VW eigentlich in den Schlamassel geritten? Böse Zungen behaupten gar, Ferdinand Piëch höchstselbst könnte hier eine diabolische Rolle gespielt haben, um am Ende den verhassten Martin Winterkorn doch noch abservieren zu können. Wir alle wissen seit Jahren, dass die Abgastests höchst irrelevant sind, die Straßenrealität (sprich Umweltbelastung) weiß Gott nicht widerspiegeln und zwar über alle Autobauer hinweg.

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Die Schändlichkeit von VW ist hier ja, dass eine Software eingesetzt wurde, die auf Testsituationen manipulativ reagiert und eine Situation vortäuscht, die im Alltag nicht zu halten ist. Das ist scheußlich genug. Aber bei genauer Betrachtung ist doch viel schlimmer, was nicht im Test passiert, sondern der Umwelt wirklich widerfährt. Und dort verpestet nicht nur VW mit nicht haltbaren Abgaswerten die Luft, sondern eben auch alle anderen. Und genau das kann den Aktienkurs von VW retten.

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