ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2015Traumatisierte Flüchtlinge: Kammern fordern koordinierende Stellen

AKTUELL

Traumatisierte Flüchtlinge: Kammern fordern koordinierende Stellen

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Untätigkeit, lange Asylverfahren und kaum Rückzugsmöglichkeiten belasten psychisch kranke Flüchtlinge zusätzlich. Foto: picture alliance
Untätigkeit, lange Asylverfahren und kaum Rückzugsmöglichkeiten belasten psychisch kranke Flüchtlinge zusätzlich. Foto: picture alliance

Strukturelle Probleme des Gesundheitswesens bei der ambulanten psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgung traumatisierter Flüchtlinge benennt der „Zweite Versorgungsbericht“, den die Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK) und die Landespsychotherapeutenkammer (LPK) Baden-Württemberg gerade gemeinsam vorgelegt haben. Der Bericht widmet sich der besonderen Bedeutung der Psychosozialen Zentren (PSZ) für die Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen.

„Qualitativ hochwertige Versorgungsangebote bei einer steigenden Anzahl traumatisierter Flüchtlinge können nur erbracht werden, wenn die Finanzierung sicher und nachhaltig ist“, betonte Dipl.-Psych. Birgitt Lackus-Reitter, Beauftragte für Menschenrechte der LPK. Die fünf Psychosozialen Zentren in Baden-Württemberg würden zwar teilweise vom Land finanziert, ein großer Teil der Mittel sei aber projekt- und spendengebunden. „Eine verlässliche und den Bedarfen entsprechende Strukturfinanzierung ist jedoch unerlässlich“, forderte der Präsident der LÄK, Dr. med. Ulrich Clever. Optionen seien, den PSZ Kassenarztsitze zuzuteilen oder durch bilaterale Verträge eine weniger restriktive Bewilligung der Anträge zu gewährleisten.

Anzeige

Weitere Probleme seien der Zugang zu und die Finanzierung von Dolmetschern. Institutionsübergreifende Dolmetscherpools könnten nach Ansicht der beiden Kammern hier Abhilfe schaffen. Qualifizierte und unabhängige Dolmetscher müssten integraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen sein.

Clever und Lackus-Reitter bedauern, dass sich die vielen einsatzbereiten Ärzte und Psychotherapeuten – je nach Region – immer wieder Hürden gegenüber sähen, die die Umsetzung ihrer Hilfsangebote behinderten oder gar verhinderten: „Nach den Erfahrungen unserer Mitglieder fehlen koordinierende Stellen vor Ort, an die sie sich wenden können.“ Zudem erschwerten bürokratische Abläufe und Zuständigkeitsprobleme mancherorts die schnelle und bedarfsorientierte Hilfe. Gespräche mit dem Land sollen Abhilfe schaffen.

Der Versorgungsbericht im Internet: http://d.aerzteblatt.de/GW66 PB

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote