ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2015Randnotiz: Manager am Boden

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Randnotiz: Manager am Boden

Hibbeler, Birgit

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Selten hat ein Kollaps so viel mediale Aufmerksamkeit erregt: Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt kippte BMW-Chef Harald Krüger (49) während eines Vortrages um. Damit schaffte er es sogar auf die Titelseite der Bild-Zeitung. „Kreislauf! Dieser Sturz tut BMWeh“ schrieb das Boulevardblatt.

Freude über die Schwäche anderer – dieser Ansatz der Bild-Zeitung funktioniert. Wenn auf Fotos detailliert gezeigt wird, wie ein eigentlich mächtiger Mensch hilflos am Boden liegt, dann schaut schließlich jeder hin. Die Nachricht, die am Ende der Geschichte übrig bleibt, ist unterdessen ziemlich banal: Auch ein BMW-Chef kann kollabieren. Manager sind halt auch nur Menschen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung entwickelte das Thema weiter und fragte: „Brauchen hoch belastete Manager wie Fußballstars ihren persönlichen Doktor Müller-Wohlfahrt?“ Doch was soll der tun, wenn zu wenig Zeit ist für Bewegung, Schlaf und Entspannung? Im Übrigen sind ja gerade die Ärzte keineswegs besser. So soll es Operateure geben, die sich während eines Eingriffs zur Seite drehen und inne halten – nicht etwa, weil sie eine Pause machen, sondern weil sie warten, bis die pektanginösen Beschwerden vorbei sind. Der Körper ist für viele Menschen eine Hülle, die zu funktionieren hat und ansonsten lästig ist.

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Wer nach dem Kollaps des BMW-Chefs fordert, auch Manager sollten Schwächen zugeben, der macht es sich zu einfach. Denn tatsächlich sind ja alle anderen froh, dass ihnen so etwas nicht passiert ist. Und selbst wenn jemand Schwäche eingesteht, möchte er dabei noch Leistungsfähigkeit zeigen. Klingt „Stress und Burn-out“ nicht viel besser als „Überforderung und Depression“?

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