ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/201560 Jahre Kassenärztliche Bundesvereinigung: Rückschau, Analysen und Ausblicke

POLITIK

60 Jahre Kassenärztliche Bundesvereinigung: Rückschau, Analysen und Ausblicke

Beerheide, Rebecca

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Zum 60. Jubiläum der KBV mahnten viele Redner die Ärzte zu mehr Geschlossenheit und Vertrauen, denn die Institution KBV habe sich noch lange nicht überholt.

Feierstunde zum 60. Jubiläum in Berlin: Gemeinsame Analysen und Ausblicke mit Vertretern aus der Politik und der Selbstverwaltung. Fotos: Georg J. Lopata
Feierstunde zum 60. Jubiläum in Berlin: Gemeinsame Analysen und Ausblicke mit Vertretern aus der Politik und der Selbstverwaltung. Fotos: Georg J. Lopata

Eine Rückschau auf die Erfolge, eine Analyse der aktuellen Situation und einen Blick in die Zukunft – der imaginäre Auftrag an eine Feier zum 60. Jubiläum einer Körperschaft wie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hätte nicht größer sein können.
In seiner Rede vor der Festgesellschaft in Berlin lobte der Parlamentarische Staatssekretär im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) Lutz Stroppe die Arbeit der KBV, mahnte aber: „Wer jung und aktiv bleibt, der kann noch lernen, neue Gewohnheiten anzunehmen und Widerspruch zu ertragen. Und ich wünsche mir, dass in diesem Sinne die KBV und auch die KVen noch lange jung und aktiv bleiben“.

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Lutz Stroppe: „Das Vertrauen der Politik ist nicht grenzenlos.“
Lutz Stroppe: „Das Vertrauen der Politik ist nicht grenzenlos.“

Fairness und Transparenz

Auch mit Kritik hielt er sich nicht zurück: „Das BMG erwartet von der ärztlichen Selbstverwaltung Fairness und Vertrauen miteinander. Dabei müssen Klarheit, Transparenz, Verlässlichkeit und Seriosität vorangetrieben werden. Das gilt für die Abrechnungssystematik genauso wie für die Festlegung von Ruhestandsgehältern“, sagte Stroppe. Das Vertrauen der Politik sei groß, „aber nicht grenzenlos“. Die „Freiheit der Verantwortung für das Wohl der Patienten“ sieht er in vielen Bereichen. So sei es ein Erfolg der Medizin und der Ärzte, dass es einen demografischen Wandel gebe, Menschen länger lebten. Auch den Einsatz der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten bei der Versorgung der Flüchtlinge lobte er.

Giovanni Maio: Besonderheit der KBV in die Debatte einbringen
Giovanni Maio: Besonderheit der KBV in die Debatte einbringen

Für die Zukunft ermunterte Stroppe die Vertreter der KBV, wieder in ihre Rolle als „Spielmacher“ zurückzufinden. „Nutzen Sie die Freiheit der Gestaltung und die dazugehörige Verantwortung.“

Daran appellierte auch Medizinethiker Prof. Dr. med. Giovanni Maio von der Universität Freiburg. Gerade angesichts der schwierigen Rolle von Ärzten und Psychotherapeuten zwischen den Ansprüchen von Politik, Gesellschaft und Patienten liege eine Chance für die KBV. Sie könne als Verteidigerin des freien Berufes den ärztlichen Sachverstand in die politische Debatte einbringen. „Um das zu erreichen, muss es die KBV schaffen, die Ärzte mit einer gemeinsamen Stimme sprechen zu lassen“, so der Appell von Maio.

KBV-Chef Andreas Gassen: Neues Selbstbild der Ärzte
KBV-Chef Andreas Gassen: Neues Selbstbild der Ärzte

Für den Vorsitzenden der KBV, Dr. med. Andreas Gassen, ist die Marschrichtung für die kommenden Jahrzehnte klar. Obwohl derzeit immer wieder die Sinnfrage gestellt werde, ob man noch eine Institution wie die KBV benötige, brauche man Organisationen, die die vertragsärztliche Versorgung organisierten: „Wir brauchen die KBV, weil in einer immer komplexer werdenden Welt auch die ambulante Versorgung immer aufwendiger organisiert werden muss.“ Zu den sechs Jahrzehnten, auf die die KBV zurückblicken kann, gehört auch, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten das Berufs- und Selbstbild der Ärzte deutlich gewandelt habe: Landarztidylle – das war einmal. „Schuften bis der Arzt kommt, dieses Selbstbild hat die junge Generation nicht mehr“, so Gassen.

Engagement in der Wendezeit

KBV-Vize Regina Feldmann: Kraftakt in Wendezeiten
KBV-Vize Regina Feldmann: Kraftakt in Wendezeiten

Bei 60 Jahren Geschichte darf die Wiedervereinigung vor 25 Jahren und der Umbruch der Organisation des Gesundheitswesens in den fünf ostdeutschen Bundesländern nicht vergessen werden. „Als eine besonders große Leistung ist zu werten, dass der Übergang in das vertragsärztliche System nahezu reibungslos verlief“, sagte KBV-Vize Dipl.-Med. Regina Feldmann. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Ärzte vor Ort, die mit einer Praxisgründung oft „ins kalte Wasser geworfen“ wurden. „Dass das möglich war, hat mit dem besonderen Engagement der Kollegen in der Wendezeit zu tun und mit einer engagierten Unterstützung der KVen untereinander“, so Feldmann.

Heute seien die Herausforderungen in Ost und West ähnlich, vor allem die Suche nach dem Nachwuchs für die Versorgung auf dem Land. Daher hätten die KBV und auch die KVen bereits viele Projekte auf den Weg gebracht, die Vereinbarkeit von Arbeit in der Praxis und Familie für die junge Ärztegeneration zu verbessern.

@Bildergalerie im Internet:
www.aerzteblatt.de/galerie/125

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