ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2015Schematherapie: Fundgrube kreativer Lösungen

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Schematherapie: Fundgrube kreativer Lösungen

Henn-Mertens, Gisela

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Beginnend mit einer ersten Lehrvideo-DVD zu grundlegenden Techniken in der Schematherapie hat der Beltz-Verlag seit 2013 eine ganze Reihe von Lehrvideos entwickelt. Sie folgen der Grundidee des „Lernen am Modell“. Das heißt, erfahrene Therapeuten geben Einblicke in ihr therapeutisches Handeln. Sie demonstrieren „live“ mit Patienten-Schauspielern, wie sie typische Therapiesituationen gestalten und bieten so eine hervorragende Möglichkeit zum Selbststudium.

Das neueste Projekt widmet sich der Darstellung schwieriger Interaktionssituationen in einer Therapie. Christine Zens und Gitta Jacob greifen die Idee ihres gleichnamigen Buches auf und zeigen in 23 fünf- bis 15-minütigen Sequenzen, wie solche therapeutischen Herausforderungen mit den Mitteln der Schematherapie gelöst werden können. Dabei kommentieren ausblendbare Untertitel sowohl das Geschehen auf Patientenseite als auch die therapeutischen Interventionen.

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Zu Wort kommen Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, selbstunsicher-dependentem Verhalten, Narzissmus, Depression mit zwanghaften Zügen und eine Schmerzpatientin. Sie zeigen sich in ärgerlichen, trotzigen oder verwöhnten Kindmodi, sind gelähmt durch stark fordernde oder strafende innere Elternmodi oder nutzen dysfunktionale Bewältigungsstrategien wie devote Unterwerfung, hartnäckige Vermeidung, überkompensatorische Angriffe auf den Therapeuten oder manipulative Suizidalität. Die Therapeuten zeigen das vielfältige Repertoire der Schematherapie im Umgang mit diesen Verhaltensmustern. Insbesondere die Einbettung in eine warmherzig-wertschätzende, aber auch Grenzen setzende Beziehungsgestaltung, der konsequente Bezug zum individuellen Modusmodell, sehr gut verständliche psychoedukative Erläuterungen und die exemplarische Arbeit mit emotionsfokussierten Techniken wie Stuhldialogen und Imagination machen nachvollziehbar, dass selbst scheinbar festgefahrene intrapsychische und interpersonelle Konflikte in der Therapie lösbar sind. An zwei Beispielen wird gezeigt, wie in der Supervision schematherapeutische Interventionen zur Selbsterfahrung und Bahnung eines angemessenen Therapeutenhandelns genutzt werden können. Das Begleitheft informiert kurz und kompakt über Symptomatik und biografische Hintergründe und beschreibt für jede Videosequenz die Zielrichtung des therapeutischen Handelns. Den Autorinnen gelingt es hervorragend, typisches Problemverhalten bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen aufzuzeigen und das schematherapeutische Handeln anschaulich darzustellen. Die DVD kann allen Kollegen, die sich in schwierigen Interaktionen mit Patienten wiederfinden, als Fundgrube für kreative Lösungen ans Herz gelegt werden. Gisela Henn-Mertens

Christine Zens, Gitta Jacob: Schwierige Situationen in der Schematherapie. Beltz, Weinheim 2015, 2 DVD, 89 Euro

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