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Die Technik der kompartmentorientierten Mikrodissektion des zentralen und lateralen Kompartments beim Schilddrüsenkarzinom wurde Anfang der 1990er Jahre von Dralle entwickelt, sie hat konsentierten Eingang in die Leitlinien gefunden (1, 2). Während beim intrathyreoidalen papillären und follikulären cN0-Karzinom heute bei präoperativ oder intraoperativ fehlendem Lymphknotenmetastasenverdacht in der Regel von einer prophylaktischen Kompartmentresektion Abstand genommen wird, besteht Konsenz hinsichtlich einer kompartmentorientierten Lymphknotendissektion aus therapeutischer Indikation. Hinsichtlich des Ausmaßes der lateralen Kompartmentresektion wird von den Fachgesellschaften (1, 2) nachdrücklich auf die potenzielle Morbidität hinsichtlich der im lateralen Kompartment gelegenen Nerven und des Ductus thoracicus hingewiesen und ein „befallsorientiertes“ Resektionsausmaß empfohlen (Tabelle 2, in [3]). Bei fehlenden Hinweisen für Lymphknotenmetastasen kann daher im Einzelfall zur Minimierung des operativen Risikos bezüglich. einer Funktionsstörung des R. marginalis des Fazialisnerven beziehungsweise einer Akzessoriusschädung auf eine Lymphknotendissektion verzichtet werden (2).

Das Ausmaß des Lymphknotenbefalls ist beim papillären Karzinom ein seit langem nachgewiesener prognostischer Risikofaktor, dies gilt insbesondere für das Risiko von Fernmetastasen (4). Darauf gründet sich die Strategie der Kompartmentresektion. Ob Mikrolymphknotenmetastasen im Gegensatz zu Makrolymphknotenmetastasen über die Bedeutung als Risikoindikatoren hinaus einen signifikanten Einfluss auf das Überleben haben, ist unklar. Die im Einzelfall erforderliche Risikoabwägung hinsichtlich des Ausmaßes der Kompartmentresektion zwischen Nutzen und Risiko favorisiert nach gegenwärtigem Konsenz der Fachgesellschaften eine „befallsorientierte“, am lokal makroskopischen und bei Fernmetastasen auch am distanten Befall orientierte Resektionsstrategie.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0722b

Prof. Dr. med. Ralf Paschke

Klinik für Endokrinologie und Nephrologie, Universitätsklinikum Leipzig

ralf.paschke@medizin.uni-leipzig.de

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Henning Dralle

Universitätsklinik und -Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie
Universitätsklinikum Halle (Saale)

Interessenkonflikt

Prof. Paschke erhielt Honorare für eine Beratertätigkeit, Erstattung für Teilnahmegebühren für Kongresse, Reise- und Übernachtungskosten von Bayer und Eisai. Für die Durchführung von klinischen Auftragsstudien erhielt er Gelder auf ein Drittmittelkonto von Bayer, Eisai und AstraZeneca.

Prof. Dralle erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Dralle H, Musholt TJ, Schabram J, et al.: German Association of Endocrine Surgeons practice guideline for the surgical management of malignant thyroid tumors. Langenbecks Arch Surg 2013; 398: 347–75 CrossRef MEDLINE
2.
Stack BC, Ferris RL, Goldenberg D, et al.: American thyroid association consensus review and statement regarding the anatomy, terminology, and rationale for lateral neck dissection in differentiated thyroid cancer. Thyroid 2012; 22: 501–8 CrossRef MEDLINE
3.
Paschke R, Lincke T, Müller SP, Kreissl MC, Dralle H, Fassnacht M: The treatment of well-differentiated thyroid carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 452–8 VOLLTEXT
4.
Machens A, Dralle H: Correlation between the number of lymph node metastases and lung metastasis in papillary thyroid cancer. J Clin Endocrinol Metab 2012; 97: 4375–82 CrossRef MEDLINE
1.Dralle H, Musholt TJ, Schabram J, et al.: German Association of Endocrine Surgeons practice guideline for the surgical management of malignant thyroid tumors. Langenbecks Arch Surg 2013; 398: 347–75 CrossRef MEDLINE
2. Stack BC, Ferris RL, Goldenberg D, et al.: American thyroid association consensus review and statement regarding the anatomy, terminology, and rationale for lateral neck dissection in differentiated thyroid cancer. Thyroid 2012; 22: 501–8 CrossRef MEDLINE
3.Paschke R, Lincke T, Müller SP, Kreissl MC, Dralle H, Fassnacht M: The treatment of well-differentiated thyroid carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 452–8 VOLLTEXT
4.Machens A, Dralle H: Correlation between the number of lymph node metastases and lung metastasis in papillary thyroid cancer. J Clin Endocrinol Metab 2012; 97: 4375–82 CrossRef MEDLINE

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