ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2015Herzkatheter: Radialer Zugang im Handgelenk senkt die Sterberate

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herzkatheter: Radialer Zugang im Handgelenk senkt die Sterberate

Meyer, Rüdiger

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Die meisten Kardiologen bevorzugen für einen Herzkatheter den transfemoralen Zugang. Studien weisen jedoch auf Vorteile des radialen Zugangs hin, unter anderem wegen eines geringeren Blutungsrisikos. Der radiale Zugang ist aber technisch anspruchsvoller: Der Gefäßdurchmesser der Art. radialis ist wesentlich geringer als der der Leistenarterie. Andererseits können Blutungen an der Art. radialis einfacher gestillt werden, vor allem bei adipösen Patienten.

Sterblichkeit jeglicher Ursache (Myokardinfarkt, Schlaganfall, Blutungen) nach Herzkatheterisierung
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Sterblichkeit jeglicher Ursache (Myokardinfarkt, Schlaganfall, Blutungen) nach Herzkatheterisierung

Die meisten früheren Studien blieben ohne Einfluss: wegen geringer Fallzahlen und weil Unterschiede das Signifikanzniveau nicht erreichten. Das ist bei der MATRIX-Studie anders. In 5 Ländern (Italien, Spanien, Schweden, Schweiz und Niederlande) wurden insgesamt 8 404 Patienten randomisiert. Nur Kollegen mit Erfahrung im radialen Zugang nahmen Teil: Sie mussten im Jahr zuvor mindestens 75 Herzkatheterisierungen über die Art. radialis vorgenommen haben.

Der primäre Endpunkt waren kardiovaskuläre Ereignisse wie Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall in den ersten 30 Tagen. Er trat nach dem radialen Zugang bei 8,8 % und nach transfemoralem Zugang bei 10,3 % der Patienten auf. Die Rate Ratio (RR) von 0,85 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall (KI) von 0,74–0,99 zwar prinzipiell signifikant (p = 0,0307), nicht jedoch unter den strengeren statistischen Maßgaben dieser Studie. Der zweite primäre Endpunkt schloss außer kardiovaskulären Ereignissen auch schwere Blutungen ein (BARC Typ 3 oder 5). Er trat nach dem radialen Zugang bei 9,8 % und nach transferoralem Zugang bei 11,7 % auf. Die Rate Ratio von 0,83 war mit einem 95-%-KI von 0,73–0,96 und einem p-Wert von 0,0092 auch nach den verschärften statistischen Kriterien signifikant. Der Unterschied bei den Endpunkten erklärt sich durch eine deutlich niedrigere Rate von Blutungskomplikationen (2,3 vs. 6 %; RR: 0,67; 95-%-KI: 0,49–0,92; p = 0,013). Die 30-Tages-Mortalität sank von 2,2 auf 1,6 %. Auch hier war die RR von 0,72 mit einem 95-%-KI von 0,53–0,99 und einem p-Wert von 0,045 signifikant, das verschärfte Kriterium wurde aber verpasst.

Fazit: Der transradiale Zugang beim Legen eines Herzkatheters senkt die Mortalität um 28 %. Die vollständige Umstellung des Zugangs von der Leiste auf das Handgelenk würde jedes Jahr viele schwere Blutungen oder Todesfälle vermeiden, meint Koautor Prof. Dr. med. Peter Jüni von der Universität Bern, der das Institut für Hausarztmedizin leitet. Es steige der Druck auf Leitlinienautoren, den transradialen Zugang zur Regel zu erklären – zumindest für Zentren, in denen die Mitarbeiter genügend Erfahrung mit der Technik sammeln können, um die Vorteile an die Patienten weiterzugeben. Rüdiger Meyer

Valgimigli M, Gagnor A, Calabró P, Frigoli E, Leonardi S, Zaro T, et al.: Radial versus femoral access in patients with acute coronary syndromes undergoing invasive management: a randomised multicentre trial. Lancet 2015; 385: 2465–76.

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