ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2015KBV-Nachwuchskampagne: Neue Plakate für neue Ärzte

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KBV-Nachwuchskampagne: Neue Plakate für neue Ärzte

Richter-Kuhlmann, Eva

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Mit der Imagekampagne „Lass Dich nieder“ sprechen die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenärztlichen Vereinigungen jetzt Medizinstudierende gezielt in Universitätsstädten an.

Unumwunden gibt Oscar Flissakowski zu: „Ich bin ein Landei.“ Und er kann es sich gut vorstellen, später einmal Landarzt zu werden. Auf jeden Fall möchte er ambulant Medizin machen – so die Pläne des 26-jährigen Medizinstudenten von der Universität Mainz. Mit Überzeugung beteiligt er sich deshalb an der neuen Kampagne „Lass dich nieder!“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) mit. Flissakowski gehört zu den Medizinstudierenden aus der Region Rheinland-Pfalz, die mit Start des Wintersemesters jetzt im Oktober auf Großflächenplakaten, Litfaßsäulen und Flyern rund um die 37 medizinischen Fakultäten in Deutschland zu sehen sein werden.

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Das Ziel der KBV und der KVen ist es – anknüpfend an die Kampagne „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“ und einer ersten Studierendenkampagne – den medizinischen Nachwuchs anzusprechen und für die Arbeit in der Niederlassung zu begeistern und somit dem Mangel an niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, insbesondere bei den Haus-, Augen- und den Frauenärzten, entgegenzuwirken. Während bei der ersten Runde der Kampagne die Möglichkeiten des verantwortungsvollen und flexiblen Arbeitens im ambulanten Bereich sowie dauerhafte Arzt-Patienten-Beziehungen mit Slogans wie „Kein Arzt für eine Nacht. Sondern für ein ganzes Leben.“ und „Deutschland guckt den Landarzt. Ich werde einer.“ im Vordergrund standen, fokussiert die neue Runde unter anderem die verschiedenen Kooperationsmöglichkeiten und Arbeitsmodelle von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. Als Slogans werden verwendet: „Teilen ist das neue Heilen.“ und „Wir sind dann mal raus.“ sowie „Ich kümmere mich um Kinder. Sogar um die eigenen.“

Die KBV, die mit Medizinstudentinnen und -studenten über die Kampagne im Gespräch steht, hofft auch mit dieser neuen Runde „den Nerv“ der Studierenden zu treffen: „Die Motive unserer Kampagne „Lass dich nieder!“ kommen bei den Medizinstudierenden gut an. Sie bewerten die Motive als authentisch und als relevant“, sagte Dipl.-Med. Regina Feldmann vom Vorstand der KBV, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Die Nachwuchsansprache ist für uns enorm wichtig – wir gehen davon aus, dass bis 2021 etwa 50 000 Mediziner altersbedingt aus der ambulanten Versorgung ausscheiden werden. Und schon heute fehlen uns – gerade in den grundversorgenden Fächern – junge Ärzte, die in die Niederlassung gehen.“

Lust auf gemeinsames Arbeiten im ambulanten Bereich: Pia Hinrich und Tobias Stegmann
Lust auf gemeinsames Arbeiten im ambulanten Bereich: Pia Hinrich und Tobias Stegmann

Dass es notwendig ist, Medizinstudierende auf die vielfältigen Möglichkeiten des Arbeitens im ambulanten Bereich aufmerksam zu machen, finden auch Pia Hinrich und Tobias Stegmann, die wie Flissakowski in Mainz Humanmedizin studieren. Auch sie haben sich für das KBV-Foto-shooting beworben und werden nun bald teilweise lebensgroß auf Plakaten zu sehen sein. Hinrich ist allerdings von Haus aus kein „Landei“, sondern bekennende Berlinerin und lediglich durch das Verfahren der Zentralen Studienplatzvergabe nach Mainz gekommen. „Ich bin ein Großstadtmensch und werde wohl nur schwer in die Rolle einer klassischen ‚Landärztin‘ schlüpfen können“, räumt sie ein.

Da aber eine Niederlassung beziehungsweise eine eigene Praxis oder eine Praxis mit mehreren Kollegen nicht nur was für „Landeier“ ist, hat sie sich gemeinsam mit Stegmann den Plakatslogan „Wir sind dann mal raus“ ausgesucht. „Man muss nicht automatisch sehr weit aus der Stadt raus, um sich niederzulassen. Und das möchte ich mit der Kampagne auch gerne aussagen“, erklärt die 27-Jährige, die bereits eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert hat. Stegmann hingegen kann sich ein Arbeiten auf dem Land „ab einem gewissen Alter“ durchaus vorstellen.

Authentisches Konzept

Auf die Kampagne „Lass Dich nieder!“ aufmerksam wurden die Mainzer Studierenden über eine Rundmail, die im Studentenverteiler verschickt wurde. „Wir sind beide offen für neue Dinge, und das authentische Konzept der KBV hat uns sehr angesprochen“, berichtet Hinrich. „Es ist eine tolle Sache, andere Mitstudenten auf die Option aufmerksam zu machen, durchaus vom klassischen Werdegang in einer Klinik abzuweichen, um sich individuell verwirklichen zu können.“ Für sie war beim Mitmachen bei der Kampagne entscheidend, dass sie bereits jetzt im Studium das Gefühl hat, sich in einer eigenen Praxis besser entfalten zu können, weil sie dort keiner Krankenhaushierarchie unterworfen ist.

Die beiden überlegten nicht lange, sprachen sich ab und bewarben sich kurzerhand im Doppelpack. Ihr Fazit: „Gemeinsam hat es unglaublichen Spaß gemacht!“ Das gilt nicht nur für das Fotoshooting. Einzelkämpfer möchten sie nämlich auch später beim ambulanten Arbeiten nicht unbedingt sein. „Weil ich ein sehr geselliger Mensch bin, stelle ich es mir schön vor, mit Kollegen anderer oder gleicher Fachrichtungen unter einem Dach zusammenzuarbeiten“, erklärt Hinrich. Auch für Stegmann ist eine gemeinsame Niederlassung „ein wundervolles Konzept“. „Sich gegenseitig unterstützen zu können und sein Wissen zu ergänzen, stellt ebenfalls einen tollen Aspekt der Gemeinsamkeit dar“, meint er.

Arbeiten in einer Gemeinschaftspraxis kann sich Oscar Flissakowski gut vorstellen – vielleicht ja auch mit Shooting-Partnerin Carlotta Sackmann. Fotos: Michael Zellmer, KBV
Arbeiten in einer Gemeinschaftspraxis kann sich Oscar Flissakowski gut vorstellen – vielleicht ja auch mit Shooting-Partnerin Carlotta Sackmann. Fotos: Michael Zellmer, KBV

Flissakowski kann das nachempfinden. Er hat sich den Slogan „Teilen ist das neue Heilen“ ausgesucht. Seine Plakatpartnerin lernte er jedoch erst beim Shooting kennen. Für den Medizinstudenten im zehnten Semester steht jedoch bereits jetzt nahezu fest, dass er sich später einmal niederlassen möchte. Viel-

leicht ist das kein Zufall: Flissakowski kommt vom Land, aus Mecklenburg-Vorpommern. „Eigentlich habe ich mit dem Ziel, Chirurg zu werden, mein Studium begonnen“, erzählt er. Doch nach einigen Famulaturen im Krankenhaus merkte er, dass das Arbeiten in großen Kliniken nichts für ihn ist – „zumindest nicht für das gesamte Leben“. Die ärztliche Tätigkeit, der tägliche Umgang mit Patienten, auch verbunden mit vielen Gesprächen, sind dagegen genau sein Ding. „Besonders habe ich das beim Blockpraktikum Allgemeinmedizin gemerkt“, berichtet er. „Da war ich in einer sehr gut organisierten Praxis im Hunsrück. Dort war alles sehr vertraut und individuell. Man konnte die Patienten nicht nur für einige Tage, sondern über einen längeren Zeitraum betreuen.“

Internetportal gibt Tipps

Die Kampagne ist nicht die einzige Nachwuchs-Aktion von KBV und KVen: Studierende und junge Ärzte, die ambulant arbeiten möchten, finden auf dem Portal www.lass-dich-nieder.de Anregungen, Praxisbeispiele und Tipps für den Weg in die Niederlassung sowie geeignete Ansprechpartner. In der Famulatur- und Praxisbörse sind mittlerweile mehr als 1 000 Praxen registriert, die gern Nachwuchsärzte aufnehmen. Die Website informiert aber auch über das deutsche Gesundheitssystem. Sie wird als bundesweite Anlaufstelle für Nachwuchsmediziner mit Fragen zur Niederlassung kontinuierlich ausgebaut. Die Möglichkeit, sich persönlich zu informieren, erhalten Studierende zudem beim diesjährigen KBV-Infotag „Praxis erleben“ am 19. November auf dem Campus der Charité Berlin.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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