ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2015Bürokratie: Bürokratie ist Hauptärgernis
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Zu viel Bürokratie in der Kassenarztpraxis: Problem erkannt, Hauptursache nicht im Ansatz gebannt.

Es ist schön, wenn sich unter anderem Herr Catenhusen (Nationaler Normenkontrollrat), Frau Kollegin Feldmann (KBV) und Frau Dr. Pfeiffer (GKV) allesamt Gedanken machen, wie die überbordende Bürokratie in der Kassenarztpraxis zu reduzieren ist. Dabei sind Vorschläge zur Vereinfachung einiger Formulare (Krankenbeförderung, Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung, Antragsformulare für medizinische Rehabilitationsmaßnahmen usw.) begrüßenswert.

Als hausärztlich tätiger Allgemeinmediziner kann ich aber ganz klar benennen, dass die ad absurdum getriebenen Leistungszifferndokumentationen des aktuell gültigen EBM jeden Tag aufs Neue das bürokratische Hauptärgernis sind. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen wir unsere im Quartal erbrachten Leistungen mit wenigen Zifferneinträgen belegen konnten. Inzwischen müssen wir wie in einem Hamsterrad die zahlreichen möglichen Leistungsziffern, Ziffernkombinationen, Ziffernausschlüsse dezidiert dokumentieren, was täglich sehr viel Zeit bindet, die uns für die eigentliche Patientenversorgung/ärztliche Behandlung fehlt. Ich möchte hier nur die Gesprächsziffer, die Psychosomatikziffern, die Chronikerziffern, die Geriatriekomplexziffern, die Palliativziffern, die Check-up-Ziffern, die DMP-Ziffern, die HKS-Ziffern, die KFU-Ziffern, die Ziffern der Hausarztstrukturverträge, die Laborausnahmeziffern, die Medikamentenausnahmeziffern und deren vielfältigen gegenseitigen Ausschlüsse benennen, die wir in jedem Behandlungsfall gegeneinander nach Sinnhaftigkeit abwägend anzusetzen haben. Dagegen ist das Ausfüllen einer Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung „ehrlich gesagt ein Klacks“.

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Frau Kollegin Feldmann wird argumentieren, dass nur so den Krankenkassen gegenüber unsere tatsächlich erbrachten Leistungen abzubilden sind und wir nur über diese genaue Leistungsdokumentation unseren Honoraranspruch adäquat geltend machen können.

Wenn Ihnen in KBV, im GKV-Spitzenverband und in beratenden Gremien wie Nationaler Normenkontrollrat aber wirklich an einer tatsächlichen Bürokratieentlastung der Vertragsärzte gelegen ist, dann meine eindringliche Bitte: Vereinfachen Sie wieder drastisch unsere Leistungszifferndokumentation. Verzichten Sie auf momentan gefühlte mindestens uns alle zwei Wochen erreichende neue Einzelverträge zwischen KV und bestimmten Krankenkassen (zum Beispiel verschiedene Hausarztstrukturverträge, verschiedene Hautkrebsscreeningverträge, verschiedene Palliativverträge). Da sich das zu verteilende Gesamthonorarvolumen durch die letzten EBM-Reformen nicht dramatisch verändert hat, warum dann nicht wieder eine einfachere und faire unbürokratische Verteilung auf alle ambulant tätigen Hausärzte (übrigens seit mindestens 15 Jahren auch alle Fachärzte) und andere Fachärzte. Eine größere Zufriedenheit vieler Kollegen wäre Ihnen sicher. Beruf und auch unser Recht auf ein Familienleben neben der Praxis ließen sich wieder besser vereinbaren, ganz abgesehen von dem positiven Signal, das dadurch auf die jüngeren und zukünftigen Kolleginnen und Kollegen ausginge, die in Zukunft die ambulante kassenärztliche Versorgung sichern.

Dr. med. Götz Wiesner, 42553 Velbert

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