ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2015Prävention des Analkarzinoms
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Beitrag von Raptis und Mitarbeitern gibt eine exzellente Übersicht über den aktuellen Standard in Diagnostik und Therapie des Analkarzinoms (1). Auf drei Aspekte der Arbeit möchten wir jedoch gerne näher eingehen:

Wie das Zervixkarzinom ist auch das Analkarzinom durch Vorsorgeuntersuchungen potenziell verhinderbar. Die Autoren erwähnen, dass bisher noch keine internationalen Leitlinien für das Screening von Hochrisikogruppen bestehen. Dies ist zwar korrekt, seit dem Jahr 2013 existiert jedoch eine deutsch-österreichische Leitlinie, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), zur Prävention, Diagnostik und Therapie von analen Dysplasien und Analkarzinomen bei HIV-Infizierten (2). In dieser Leitlinie wird neben klinischer Inspektion der Anogenitalregion und digitaler rektaler Untersuchung auch die Durchführung einer Analzytologie – und im Falle eines pathologischen Befundes oder bei besonders hohem Risiko zusätzlich die Durchführung einer hochauflösenden Anoskopie mit Biopsie in Analogie zur Kolposkopie – empfohlen.

Die Autoren führen an, dass bisher keine Empfehlungen zur Impfung gegen Analkarzinome existieren. In einer großen kontrollierten Studie konnte die Effektivität des prophylaktischen quadrivalenten HPV-Impfstoffes zur Verhinderung von analen Dysplasien bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), belegt werden. Aus diesem Grund, sowie zur Verhinderung von Genitalwarzen, wird mittlerweile in Großbritannien explizit die Impfung von MSM empfohlen, da MSM nicht von der durch die Impfung von Mädchen bedingten Herdenimmunität profitieren (3).

Laut Autoren ist gemäß US-amerikanischer und europäischer Leitlinien eine primär chirurgische Therapie nur bei gut differenzierten Analrandkarzinomen im Stadium T1 indiziert. In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte jedoch gezeigt werden, dass auch im Analkanal lokalisierte Karzinome im Stadium T1 kurativ mittels Exzision und Sicherheitsabstand < 5 mm behandelt werden können (4). Somit konnte bei frühinvasiven Analkanalkarzinomen die ansonsten empfohlene Radiochemotherapie vermieden werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0739a

Prof. Dr. med. Alexander Kreuter

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie,

HELIOS St. Elisabeth Klinik Oberhausen

alexander.kreuter@helios-kliniken.de

Dr. med. Stefan Esser

Klinik für Dermatologie und Venerologie,

Universität Duisburg-Essen

Prof. Dr. med. Ulrike Wieland

Institut für Virologie,
Nationales Referenzzentrum für Papillom- und Polyomaviren,
Uniklinik Köln

Interessenkonflikt

Prof. Kreuter hat Honorare für Vorträge und Beratertätigkeit (Advisory board) von MSD Sanofi Pasteur erhalten. Dr. Esser hat als lokaler Investigator in Deutschland an der “Human Papillomavirus Quadrivalent Vaccine Study” von Merck und MSD Sanofi Pasteur teilgenommen. Prof. Wieland bekam Vortragshonorare von den Firmen ViiV Healthcare, Becton Dickinson GmbH und A&O Labor Delitzsch.

1.
Raptis D, Schneider I, Matzel KE, Ott O, Fietkau R, Hohenberger W: The differential diagnosis and interdisciplinary treatment of anal carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 243–9 MEDLINE
2.
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: S2k-Leitlinie: Anale Dysplasien und Analkarzinome bei HIV-Infizierten: Prävention, Diagnostik und Therapie. www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/055–007.html (last accessed on 23 2015).
3.
Kirby T: UK committee recommends HPV vaccination for MSM. Lancet Oncol 2015; 16: e7 MEDLINE
4.
Berry JM, Jay N, Cranston RD, et al.: Progression of anal high-grade squamous intraepithelial lesions to invasive anal cancer among HIV-infected men who have sex with men. Int J Cancer 2014; 134: 1147–55 MEDLINE
1.Raptis D, Schneider I, Matzel KE, Ott O, Fietkau R, Hohenberger W: The differential diagnosis and interdisciplinary treatment of anal carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 243–9 MEDLINE
2.Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: S2k-Leitlinie: Anale Dysplasien und Analkarzinome bei HIV-Infizierten: Prävention, Diagnostik und Therapie. www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/055–007.html (last accessed on 23 2015).
3.Kirby T: UK committee recommends HPV vaccination for MSM. Lancet Oncol 2015; 16: e7 MEDLINE
4.Berry JM, Jay N, Cranston RD, et al.: Progression of anal high-grade squamous intraepithelial lesions to invasive anal cancer among HIV-infected men who have sex with men. Int J Cancer 2014; 134: 1147–55 MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Stellenangebote