ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2015Medizinstudium: Analyse der Ist-Situation
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Im „Masterplan Medizinstudium 2020“ ist die Reform der Studienplatzvergabe das zentrale Thema, dem man sich nur zielführend widmen kann, wenn eine möglichst exakte Analyse der Ist-Situation vorliegt, aus der die weiteren Schritte abzuleiten sind. Ein funktionierendes Gesundheitswesen ist von zentraler Bedeutung für das Wohlergehen eines Landes. Bei unverändert hoher Zahl an Medizinstudenten sind wir in der medizinischen Breitenversorgung unseres Landes auf ausländische Ärzte angewiesen, die in deren Heimatländern dann fehlen. In Deutschland werden erhebliche Steuergelder eingesetzt, um das quasi kostenlose Medizinstudium zu ermöglichen, der Zugang wird unverändert über einen Numerus clausus begrenzt. Wer den Beruf unbedingt erlernen möchte und keinen Studienplatz in Deutschland erhält, muss einen immensen persönlichen und finanziellen Einsatz bringen, um im Ausland ein Medizinstudium erfolgreich zu absolvieren oder auf eine Option in Deutschland zu warten. Wir benötigen dringend Zahlen, wie sich die Zusammensetzung der Medizinstudentinnen und Medizinstudenten auf die medizinische Versorgung auswirkt. Hierzu müssen die Werdegänge der Medizinstudent/-innen in Gruppen analysiert werden: Frauen/Männer, Numerus clausus/Auswahlverfahren, Quereinsteiger aus dem Ausland. Wer schließt das Studium ab? Wer landet in der medizinischen Versorgung in unserem Land, idealerweise in welchem Fachgebiet? Wer geht nach dem Studium ins Ausland? Aufgrund dieser Zahlen lassen sich Entscheidungen über den Zugang zum Medizinstudium besser treffen, wenn man die medizinische Versorgung in unserem Land vor Augen hat – dies sind wir auch dem hohen Einsatz an Steuergeldern schuldig. Immer öfter wird der Ruf nach einer Männerquote im Medizinstudium laut, basierend auf der Einschätzung, dass ein höherer Anteil der männlichen Medizinstudenten diesen Beruf auch (vollzeitig) ausüben wird und wichtige Fachdisziplinen kaum von Frauen für eine Weiterbildung gewünscht werden, zum Beispiel Chirurgie. Ob diese Einschätzung stimmt, ließe sich unter anderem durch die oben genannte Analyse darstellen.

Dr. med. Carl-Joachim Mellinghoff, 88131 Lindau

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