ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2015Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung: Beiträge für Arbeitnehmer werden steigen

POLITIK

Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung: Beiträge für Arbeitnehmer werden steigen

Beerheide, Rebecca

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Schätzerkreis rechnet vor, dass der durchschnittliche Beitragssatz für 2016 um 0,2 Prozentpunkte steigen wird. Grund: die finanzielle Situation der Krankenkassen und die Reformen der Bundesregierung. Der Ruf nach einer Rückkehr zur paritätischen Finanzierung wird wieder lauter.

Foto: picture alliance
Foto: picture alliance

Im kommenden Jahr werden die gesetzlich versicherten Arbeitnehmer bei vielen Krankenkassen höhere Beiträge zahlen müssen. Der sogenannte Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt (BVA) in Bonn errechnete vergangene Woche eine durchschnittlich notwendige Anhebung des Beitrages um 0,2 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent des Bruttolohnes. Diese Berechnung der Versicherungsexperten des BVA geht an das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, das in den kommenden Wochen seine eigene, endgültige Prognose festlegt. Damit könnte der durchschnittliche Zusatzbeitrag, den seit 2009 die Arbeitnehmer zahlen, von bisher 0,9 Prozent auf 1,1 Prozent im Schnitt steigen. Seit Januar 2015 beträgt der allgemeine einkommensabhängige Beitragssatz 14,6 Prozent. Davon zahlen die Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils 7,3 Prozent. Kommen Krankenkassen mit dem durchschnittlichen Beitrag nicht aus, müssen sie einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben, den die Arbeitnehmer selbst zahlen. Dadurch verspricht sich die Bundesregierung einen stärkeren Wettbewerb zwischen den Krankenkassen und mehr Strukturreformen bei den Versicherern. Im Jahr 2015 verzichtete ein Großteil der Kassen auf den Zusatzbeitrag.

Anzeige

Der mögliche Anstieg des Zusatzbeitrages dürfte den Druck auf die Krankenkassen im kommenden Jahr erhöhen. Es wird erwartet, dass sich viele Versicherte eine neue Kasse suchen, wenn der Beitrag zu stark ansteigt. Versicherte haben in dem Fall ein Sonderkündigungsrecht. Dieses Erfahrung hatte im Jahr 2010 besonders die DAK machen müssen: Bei einer Erhöhung der Beiträge verlor sie nach Branchenangaben rund eine halbe Millionen Versicherte.

Politik gibt Milliarden aus

Die Krankenkassen haben ihrerseits schon seit Monaten die Reformen von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) kritisiert. Die Krankenhausreform, das Präventionsgesetz, die Gesetze zur Reform der pflegerischen Versorgung brächten milliardenschwere Zusatzbelastungen, heißt es von Kassenseite. Gleichzeitig seien die geplanten Einsparungen beispielsweise aus dem Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG) nicht so hoch wie erwartet: Etwa eine Milliarde Euro sollte eingesparrt werden, nach Angaben von Politikern der großen Koalition sind es aber nur 600 Millionen Euro. Auch deshalb soll im Jahr 2016 das AMNOG noch einmal evaluiert, möglicherweise reformiert werden.

Diskussion um Parität

Angesichts der Prognosen verschärft sich auch die Diskussion um die paritätische Finanzierung der Krankenkassenbeiträge durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer. SPD-Gesundheitspolitikern Hilde Mattheis forderte die Rückkehr zu einer gemeinsamen Finanzierung. „In den Koalitionsverhandlungen haben sich Union und SPD verständigt, dass ein zu hoher Zusatzbeitrag nicht akzeptabel ist. Diese Grenze wird nun gerissen“, erklärte Mattheis. „Als Konsequenz sollte sich die Union nun an ihr Wort halten und baldmöglich über eine Finanzierungsänderung vereinbaren“, so die SPD-Expertin weiter. Für die Wiedereinführung der paritätischen Finanzierung der Krankenkassenbeiträge machten sich auch die Oppositionspolitiker Harald Weinberg (Linke) und Maria Klein-Schmeink (Grüne) stark. „Nun hat es die Bundesregierung schwarz auf weiß, wie stark sie nächstes Jahr die Beitragszahler schröpfen wird“, so Weinberg.

Neben Sozialverbänden und Gewerkschaften plädieren auch Krankenkassen für eine Rückkehr zur Parität. „Der allgemeine Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent muss angepasst werden. Die Arbeitgeber müssen wieder mehr in die Verantwortung für die Beitragssatzentwicklung genommen werden“, erklärte der Vorsitzende des Verbandes der Ersatzkrankenkassen, Christian Zahn.

Rebecca Beerheide

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote