ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2015Chronische Plaque-Psoriasis: Zwei neue Substanzen könnten die Therapiestandards verbessern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Plaque-Psoriasis: Zwei neue Substanzen könnten die Therapiestandards verbessern

Eckert, Nadine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Für die mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis gibt es viele systemische Therapieoptionen, dennoch erfolgt die Behandlung häufig topisch. Die Gründe sind unklar: Liegt es an den Nebenwirkungen, vor allem von „Klassikern“ wie Methotrexat, Ciclosporin oder Acitretin, oder daran, dass Injektionen nötig sind wie bei den Biologika?

Den Daten einer randomisierten Phase-III-Studie zufolge könnte der orale Januskinase-Inhibitor Tofacitinib eine neue, mögliche Option werden. Die Patienten (≥ 18 Jahre) erhielten entweder Placebo (n = 108), Etanercept 50 mg s.c. (n = 336, 2mal wöchentlich) oder Tofacitinib (2mal täglich) in den Dosierungen 5 mg (n = 330) oder 10 mg (n = 332). Sie waren mittelschwer oder schwer an Plaque-Psoriasis erkrankt und Kandidaten für eine Phototherapie oder systemische Behandlung. Ihr Psoriasis Area and Severity Index (PASI) lag bei ≥ 12. Studienendpunkte waren die Anteile an Patienten, bei denen in Woche 12 eine mindestens 75 %ige Reduktion des PASI (PASI75) sowie ein Physician’s Global Assessment (PGA)-Score von 0/1 erreicht werden konnte.

In Woche 12 hatten unter Tofacitinib 10 mg 63,6 % der Patienten PASI75 erreicht, unter 5 mg Tofacitinib waren es 39,5 %, mit Etanercept 58,8 % und Placebo 5,6 %. Den Endpunkt PGA 0/1 hatten unter Tofacitinib 10 mg 68,2 %, Tofacitinib 5 mg 47,1 %, Etanercept 66,3 % und unter Placebo 15 % erreicht. Schwere Nebenwirkungen waren in allen Gruppen ähnlich häufig (1–2 %). Unter Tofacitinib kam es häufiger zu geringen Anstiegen des HDL- und LDL-Cholesterins sowie der Kreatininphosphokinase.

Eine zweite neue Therapieoption für Psoriasis, die eben aus der Phase III kommt, ist der monoklonale humane Interleukin-17A-Antikörper Ixekizumab. In der UNCOVER-2-Studie hatten die Patienten randomisiert entweder Placebo, Etanercept 50 mg s.c. (2mal wöchentlich) oder Ixekizumab 80 mg s.c. (alle 2 [2 W] oder alle 4 Wochen [4 W]) erhalten. Nach 12 Wochen hatten unter Ixekizumab (2 W) 315 Patienten PASI75 erreicht (Ansprechrate 89,7 % vs. Placebo bzw. 48,1 % vs. Etanercept). Unter Ixekizumab (4 W) waren dies 269 (75,1 % bzw. 35,9 %), unter Placebo 4 (2,4 %) und unter Etanercept 149 (41,6 %) Patienten (alle p < 0,0001). Für den Endpunkt PGA 0/1 ergaben sich folgende Ansprechraten: Ixekizumab (2 W) 292 (83,2 % bzw. 47,2 %), Ixekizumab (4 W) 253 (72,9 % bzw. 36,9 %), Placebo 4 (2,4 %) und Etanercept 129 (36,0 %) Patienten (alle p < 0,0001). Die Ergebnisse der parallel zu UNCOVER-2 laufenden UNCOVER-3-Studie mit identischem Studiendesign waren vergleichbar. Schwere Nebenwirkungen traten mit 1,9 % in allen Gruppen gleich häufig auf. Bei 12 Ixekizumab (2 W)-, 4 Ixekizumab (4 W)-, 5 Etanercept- und 2 Placebopatienten wurden mukokutane Infektionen mit Candida beobachtet.

Fazit: „Tofacitinib erwies sich in der höheren Dosierung von 10 mg/Tag klinisch und bei der Patientensicherheit in Woche 12 ebenbürtig zum bereits zugelassenen TNF-alpha-Inhibitor Etanercept“, resümiert Priv.-Doz. Dr. med. Regina Renner von der Studienambulanz der Hautklinik der Universität Erlangen. Tofacitinib erreichte jedoch schneller eine PASI75-Verbesserung. Dosisabhängig fanden sich als unerwünschte Ereignisse eine Erhöhung des Cholesterins und der Kreatinkinase, jedoch ohne Rhabdomyolysen. Der Effekt der Cholesterinwert-Erhöhung in einer Patientenpopulation wie der der Psoriatiker mit per se erhöhtem kardialen Risiko bleibe abzuwarten, betont Renner. Vorteilhaft für die Patienten sei die orale Applikation.

Ixekizumab überzeuge durch rasche und signifikant höhere Ansprechraten schon in der ersten Woche nach Therapiebeginn im Vergleich zu Etanercept – bei ähnlichem Sicherheitsprofil. Eine Besonderheit sei die erhöhte Rate mukokutaner Candidainfektionen, die aber gut beherrschbar waren. „Ixekizumab wäre ein weiteres wegweisendes Medikament zu höheren Therapiestandards bei Psoriasis, auch für schwerst betroffene Patienten, bei denen rasche Besserung notwendig ist“, so Renner. Einschränkend für beide Studien gelte, dass es sich um Kurzzeitdaten handele, Langzeitergebnisse müssten noch abgewartet werden. Auch über ein mögliches Ansprechen einer Psoriasisarthritis würden keine Aussagen gemacht. Nadine Eckert

  1. Bachelez H, et al.: Tofacitinib versus etanercept or placebo in moderate-to-severe chronic plaque psoriasis: a phase 3 randomised non-inferiority trial. Lancet 2015; 386: 552–61.
  2. Griffiths CEM, et al.: Comparison of ixekizumab with etanercept or placebo in moderate-to-severe psoriasis (UNCOVER-2 and UNCOVER-3): results from two phase 3 randomised trials. Lancet 2015; 386: 541–51.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote