ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2015Medizinertest: Zu theoretisch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Als eine Medizinstudentin mit einem Abiturdurchschnitt von 2,0 war für mich klar, dass ich nicht gleich einen Studienplatz erhalten werde. Daher suchte ich nach Möglichkeiten zur Verbesserung meines NC. So habe ich dann auch den TMS gemacht. Allerdings sehe ich den Test nicht wirklich als „fachspezifischen Studierfähigkeitstest“ an. Zwar werden in diesem Test fach- und studiumsspezifische Fragen gestellt, aber die Bewältigung in dieser kurzen Zeit ist nicht immer machbar.

Ich habe den Test gut absolviert. Am Ende reichte mir es dennoch nicht aus. Das große Problem ist immer noch, dass sich zu viele dafür bewerben, die einen NC von besser als 2,0 haben. So kommen diese Bewerber dann eher an die Grenze des 1,0-Schnitts als andere. Dabei haben diese Bewerber viel bessere Chancen, auch ohne Test an einer Universität angenommen zu werden. Ich würde daher dafür plädieren, dass nur Bewerber, die einen NC von 2,0 oder schlechter haben, einen solchen Test belegen können.

Nun im Studium habe ich den naturwissenschaftlichen Teil (v. a. Physik) mit gut bestanden, obwohl ich früher immer Probleme hatte. Ich habe gemerkt, dass jede Universität den physikalischen Lernbereich anders auslegt. Und wer das Studium schaffen will, der schafft es dann auch, den Physik-Schein zu erwerben.

Anzeige

Darüber hinaus bin ich immer noch der Meinung, dass diese ganzen theoretischen Bereiche nicht aussagen können, ob und wie gut ein/-e Medizinstudent/-in das Studium schafft beziehungsweise später ein guter Arzt wird. Im Arztberuf spielen viel mehr die sozialen und kommunikativen Komponenten eine große Rolle. Diese Fähigkeiten und der Wille zum Medizinstudium kann man eher über die Kriterien einer abgeschlossenen medizinischen Ausbildung, FSJ im medizinischen Bereich oder das abgeschlossene Pflegedienstpraktikum erkennen.

Daher bin ich dafür, dass man beim Auswahlverfahren eher auf die letztgenannten Kriterien schaut und nicht so viel Gewicht auf die Noten des Abiturs beziehungsweise TMS legt.

Wer nämlich den Willen und den Traum hat, Arzt zu werden, der wird alle Hürden schaffen, auch die naturwissenschaftlichen Theorien. Diese Studierenden werden später im Beruf nicht nur das Wissen haben, sondern auch die Fähigkeit, dieses Wissen umzusetzen und patientengerecht weiterzugeben.

Ina Rissling, Medizinstudentin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 97076 Würzburg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote