ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2015Porträt: Dr. Herrmann hat eine weitreichende Idee

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Porträt: Dr. Herrmann hat eine weitreichende Idee

Jachertz, Norbert

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Bei dem Arzt, Maler und Bildhauer Fritz Herrmann läuft scheinbar vieles chaotisch, die Ergebnisse können sich indes sehen lassen.

Fritz Herrmanns Bilder fallen durch ihre starken Farben auf. Die Abbildung unten zeigt ein wandfüllenes Bild in leuchtendem Rotorange, durchzogen von schwarzen, wie getuschten Linien, die wie Schnitte wirken. Fotos: Thomas Joern, privat
Fritz Herrmanns Bilder fallen durch ihre starken Farben auf. Die Abbildung unten zeigt ein wandfüllenes Bild in leuchtendem Rotorange, durchzogen von schwarzen, wie getuschten Linien, die wie Schnitte wirken.
Fotos: Thomas Joern, privat

Wir treffen Fritz Herrmann bei einer Ausstellung malender Ärzte. Seine Bilder fallen durch ihre starken Farben auf, vor allem eins, wandfüllend in leuchtendem Rotorange, durchzogen von schwarzen, wie getuschten Linien, die wie Schnitte wirken. Wer mag, kann sich in Bilder wie dieses hineindenken. Oder aber Formen und Farben auf sich wirken lassen. Das entspräche Herrmanns Vorgehensweise, der nicht von vornherein weiß, was da aus ihm heraus entsteht und etwas kryptisch erläutert: „Oft fang ich über die Farbe an.“ Das Weitere ergibt sich. Manchmal beginnt er „mit einer Sache, deren Richtung später völlig verändert wird“. Nicht erstaunlich, dass Fritz Herrmann bekennt, bei ihm laufe vieles chaotisch. Die Ergebnisse, die aus dem Chaos entstehen, können sich freilich sehen lassen. Herrmann malt vorzugsweise nicht-gegenständlich oder, um mit ihm zu sprechen, irgendwie abstrakt. Doch malt er auch „richtige Landschaften“ und „dann auch Bilder, wo ich letzten Endes mit Körperformen rumhantiere“.

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So richtig chaotisch wirkt Herrmann eigentlich gar nicht, sondern eher geduldig und überlegt. Er denke viel über Farbe nach, sagt er zum Beispiel, und er warte, bis die Zeit reif sei. Erst dieser Tage habe er „etwas gemacht, das schon 2012 angefangen wurde“. Geduld hat er schon von Berufs wegen aufbringen müssen. Dr. Herrmann, Jahrgang 1947, ist Psychiater, genau genommen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, eine Kombination, die zur Zeit seiner Aus- und Weiterbildung üblich war. Die Neurologie war nicht so seine Sache. „Doch die Psychiatrie, die lag mir.“ So habe er die längste Zeit des Berufslebens im psychiatrischen Krankenhaus Werneck gearbeitet. Sein besonderes Interesse galt der extramuralen Versorgung. Herrmann, der 2012, mit 65 in den Ruhestand ging, ist noch heute angetan von der guten Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen.

Werneck liegt in Unterfranken, der Wahlheimat von Fritz Herrmann, der aus Bamberg stammt und in Würzburg sein Staatsexamen bestanden hat. Mainfranken zeichnet sich aus durch gute Weine und prachtvolle Architektur. Dr. Herrmann weiß im Gespräch denn auch gleich den besten Winzer mit der höchst prämierten Lage zu nennen. Und zur Architektur haben er und seine Frau, Ruth Habberger-Herrmann, selbst ein wenig beigetragen. Im Mainstädtchen Dettelbach, wo Habberger-Herrmann als Analytikerin praktiziert, haben sie die Alte Posthalterei saniert, gut 15 Jahre lang und viel in Eigenleistung, was Herrmann trocken damit kommentiert, dass er halt gern was herrichte. Die „Herrichtung“ geriet derart perfekt, dass die Herrmanns gleich zweimal dafür ausgezeichnet wurden. In der Posthalterei lebt die sechsköpfige Familie.

Herrmann ist seit Jahrzehnten künstlerisch tätig, jedoch mit langen Pausen. „Ich habe spät geheiratet, und wir bekamen vier Kinder,“ erklärt er, „Kinder, Arbeit und Kunst, das wärʼ net gegangen.“ Heute freut er sich, mit der Kunst erst relativ spät begonnen zu haben, denn „die Zeit, als die Kinder klein waren, das war richtig schön“. Dabei hatte Herrmann ursprünglich mit der Kunst sehr früh begonnen. Das Interesse hatte ein Lehrer geweckt, und vor dem Medizinstudium hatte er eine Bildhauerklasse der Kunstakademie München besucht. „Ich hatte gedacht, ich hätte einen bildhauerischen Schwerpunkt, aber in den letzten Jahren kam die Farbe.“

Bildhauerisch arbeitet Herrmann zwar noch hin und wieder, doch seine Leidenschaft gilt der Malerei. Und hier hegt er „eine weitreichende Idee“, die aus seinem langen Nachdenken über die Farbe resultiert. „Wenn ich lange genug fit bleibe, dann würde ich gerne in allen Regenbogenfarben malen, in allen Schattierungen: von relativ hell bis relativ dunkel.“ Dr. Herrmann spricht von einer Manie, die er ausleben wolle. „Da spielt der Psychiater hinein. Ich weiß aber noch nicht, ob ich das so hinkriege.“

Doch es könnte so kommen. Herrmann wirkt fit und überzeugt künstlerisch.

Norbert Jachertz

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