ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2015PAVK und kritische Extremitätenischämie: Oft wird nicht leitliniengerecht therapiert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

PAVK und kritische Extremitätenischämie: Oft wird nicht leitliniengerecht therapiert

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Das diagnostische und therapeutische Prozedere bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) und kritischer Ischämie der Extremitäten ist retrospektiv auf Basis der Daten von 41 882 deutschen Versicherten (Barmer GEK) analysiert worden. Bei der Barmer sind circa 10 % der deutschen Bevölkerung versichert. Die Patienten waren wegen einer PAVK stationär aufgenommen worden. Das Ergebnis: Je fortgeschrittener die PAVK, desto seltener erfolgte in der Klinik eine Angiographie oder Revaskularisation (jeweils p < 0,001). Die Amputationsrate nahm aber mit dem Schweregrad zu von 0,5 % bei Rutherford 1 auf 42 % bei Rutherford 6.

Von 4 298 Patienten, bei denen amputiert wurde, hatten 37 % zuvor weder in der Klinik noch innerhalb von 24 Monaten vor der Klinikaufnahme eine Angiographie oder Revaskularisation erhalten. Während der vierjährigen Nachbeobachtung wurde bei 7 825 Patienten eine Amputation vorgenommen, insgesamt 10 880 Patienten starben. Die 4-Jahres-Mortalität nahm mit den Rutherford-Kategorien zu von 18,9 % (Rutherford 1–3) auf 63,5 % (Rutherford 6). Auch die Amputationsrate stieg mit der Rutherford-Kategorie von 4,6 % (Rutherford 1–3) auf 67,3 % (Rutherford 6).

Rate der vaskulären Interventionen bei Patienten mit Amputation aufgrund einer PAVK
Grafik
Rate der vaskulären Interventionen bei Patienten mit Amputation aufgrund einer PAVK

Fazit: „Ausgerechnet bei jenen Patienten, bei denen eine angiographische Abklärung besonders wichtig ist, erfolgt sie in Deutschland dieser Studie zufolge nicht regelmäßig“, kommentiert Dr. med. Holger Lawall, Asklepios Westklinikum Hamburg und Asklepios Klinik Altona. So sei in den letzten 2 Jahren vor dem Index-Ereignis nicht einmal jeder zweite Patient angiographiert worden, „ein erschreckender Befund“, meint Lawall. „Dies widerspricht den Empfehlungen der Leitlinien und belegt eine deutliche Unterversorgung von Patienten mit schwerer PAVK“, erläutert der Gefäßspezialist: „Je schwerer das Krankheitsbild, umso dringender ist die Vorstellung des Patienten in einem Gefäßzentrum. Dort kann interdisziplinär abgeklärt werden, ob nicht doch eine arterielle Rekonstruktion – entweder interventionell oder gefäßchirurgisch – möglich ist, um die Amputation zu vermeiden.“ Christine Vetter

Reinecke H, et al.: Peripheral arterial disease and critical limb ischaemia: still poor outcome and lack of guideline adherence, Eur Heart J 2015; 36: 932–8.

Rate der vaskulären Interventionen bei Patienten mit Amputation aufgrund einer PAVK
Grafik
Rate der vaskulären Interventionen bei Patienten mit Amputation aufgrund einer PAVK

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote