ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2015Randnotiz: Keine Lust auf Karriere
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Je länger eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes beruflich pausiert, desto mehr verliert sie das Interesse an der eigenen Karriere. Das haben Frankfurter Sozialforscher nachgewiesen. Bisher nahm man an, dass sich Frauen beim Wiedereinstieg schwertun, wenn Arbeitgeber ihnen nach längeren Auszeiten zum Beispiel weniger anspruchsvolle Tätigkeiten geben. Nun aber sieht alles danach aus, dass eine lange Jobpause sich auch nachteilig auf die Einstellung der Frauen zu ihrem beruflichen Fortkommen auswirkt.

Das ist nicht verwunderlich. Die Lust auf Karriere vergeht auch vielen Frauen, die relativ schnell in den Beruf zurückkehren. Man stelle sich vor: Eine Ärztin und Mutter fängt wieder an zu arbeiten, als ihr Kind ein Jahr alt ist. Ihr Lebenspartner ist ebenfalls beruflich erfolgreich, und so bleibt ein Großteil der „Familienarbeit“ an ihr hängen. Wie die meisten Frauen steckt sie zurück, nicht er. Sie hat ihren Teilzeitwunsch durchgesetzt. Das hat nicht etwa deshalb geklappt, weil der Chefarzt so familienfreundlich ist. Er duldet es aus der Not heraus. Aber was heißt überhaupt Teilzeit? Mit Diensten landet sie über der Stundenzahl, die normale Arbeitnehmer als Vollzeitstelle werten. Und was tun, wenn die Kinderbetreuung um acht Uhr beginnt, man aber zeitgleich in der Klinik auf der Matte stehen soll?

Wenn jemand das, was er eigentlich nie wollte, plötzlich als den Lebensentwurf ansieht, der zu ihm passt, fällt das unter den Begriff der kognitiven Dissonanzminderung. Man interpretiert die eigene Situation so um, dass man damit leben kann. Und heißt es dann „Für mich steht jetzt die Familie an erster Stelle“, nickt der Chef verständnisvoll und denkt: Naja, die will ja nicht.

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