ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2015Frage der Woche an . . . Dr. med. Dagmar Dennin, 1. Vorsitzende des Forums 60 plus des Deutschen Ärztinnenbundes

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. med. Dagmar Dennin, 1. Vorsitzende des Forums 60 plus des Deutschen Ärztinnenbundes

In einer Studie haben Sie die soziale Situation von Ärztinnen im Ruhestand untersucht. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gewonnen und was raten Sie berufstätigen Ärztinnen?

Glöser, Sabine

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In einer Studie haben Sie die soziale Situation von Ärztinnen im Ruhestand untersucht. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gewonnen und was raten Sie berufstätigen Ärztinnen?

Dennin: Unseren jüngeren und jungen Kolleginnen im Deutschen Ärztinnenbund raten wir sehr pragmatisch: Hören Sie nicht auf zu arbeiten, Sie werden damit zufriedener leben!

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So haben wir In unserer Studie die Erkenntnis gewonnen, dass es signifikante Unterschiede zwischen Ärztinnen und Ärzten gibt, was die familiäre Situation und das Einkommen angeht. Die soziale Situation von Ärztinnen im Ruhestand unterscheidet sich maßgeblich von der ihrer ehemaligen Kollegen: Ärztinnen im Ruhestand leben seltener in einer Partnerschaft, haben seltener Kinder und Enkel und ein geringeres Nettoeinkommen als männliche Ärzte. Etwa 85 Prozent der Männer sind verheiratet, aber nur knapp 60 Prozent der Frauen. 90 Prozent der Männer leben in fester Partnerschaft, doch nur jede zweite Frau. Hinzu kommt: Über ein Nettoeinkommen von mehr als 3 000 Euro monatlich verfügen knapp 60 Prozent der Männer, allerdings nur 22 Prozent der Frauen.

Eine weitere durchaus bedenkliche Erkenntnis ist, dass sich nur die Hälfte der Ärztinnen auf ihren Ruhestand freut, nicht wenige haben sogar Angst davor. Das Loch, in das man fallen kann, ist sehr tief. Mit einem Mal müssen sie ihr Leben neu und selbstständig durchstrukturieren. Auch der Wiedereinstieg in den Beruf war für viele der Ärztinnen dieser Generation schwer: sie hatten keinen Facharztabschluss, kaum Berufspraxis und wenig Erfahrung – die Einkommens- und Qualifikationslücken waren selten aufzuholen.

Dennoch sind die befragten Ärztinnen in vielen Lebensbereichen deutlich zufriedener als ihre Kollegen. Frauen definieren sich offenbar weniger über ihren früheren Beruf als Männer. So besuchen sie weit häufiger auch im Ruhestand noch ärztliche Fortbildungen und haben kein Problem, zum Beispiel ihr Englisch oder Französisch in der Volkshochschule aufzufrischen. 54 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte bezeichneten ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut, 15 Prozent als weniger gut oder schlecht.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Unterschiede zweifellos einem traditionellen Rollenbewusstsein und Familienverständnis geschuldet sind. Einen Großteil der Lebenszeit Kindern und Familie zu widmen, wird nach wie vor auch bei Ärztinnen gesellschaftlich in keiner Weise honoriert. sg

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