ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2015Vakzine gegen Vogelgrippe: Erhöhte Responseraten mit Adjuvanzien

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Vakzine gegen Vogelgrippe: Erhöhte Responseraten mit Adjuvanzien

Heinzl, Susanne

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Im März 2013 wurden in China die ersten Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus (H7N9) bei Menschen berichtet. Mittlerweile sind Hunderte von Fällen dokumentiert, vermutlich durch Übertragung von infiziertem Geflügel. Die Entstehung eines adaptierten Virus, der von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, ist nach wie vor eine große Bedrohung. Erste Erfahrungen mit inaktiviertem H7N9-Impfstoff ergaben, dass das Hämagglutinin H7 wenig immunogen ist und die Vakzine ein Adjuvans enthalten sollte. Ein weiterer wichtiger Grund für den Zusatz von Adjuvanzien ist die Einsparung von Antigenen, wie Prof. Dr. med. Barbara Gärtner, Präsidentin der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, Homburg/Saar, erläuterte. „In einer Influenza-Pandemie ist es notwendig, antigensparende Impfschemata anzuwenden, um möglichst schnell möglichst viele Menschen schützen zu können. Der limitierende Faktor in der Impfstoffproduktion ist das Antigen, das erst im Laufe der Pandemie produziert werden kann, das Adjuvans dagegen kann in großen Mengen gelagert werden. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld den Einsatz der Adjuvanzien zu optimieren.“

In einer Phase-II-Studie wurde daher die Immunantwort auf zwei Dosen einer inaktivierten H7N9-Vakzine untersucht, und zwar ohne oder mit dem Adjuvans AS03 oder MF59. Ziel war es, die freie Kombinierbarkeit der beiden Adjuvanzien zu vergleichen. In die Studie wurden 980 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 19 und 64 Jahren aufgenommen, die an den Tagen 0 und 21 mit der Vakzine in einer Dosierung von 3,75 µg, 7,5 µg, 15 µg oder 45 µg Hämagglutinin ohne oder mit einem Adjuvans geimpft wurden. Bei den meisten Probanden waren zwei Impfstoffgaben erforderlich, um Antikörper nachweisen zu können. „Bei einem Erreger mit einem Hämagglutinin, das bisher im Menschen nicht vorkam, braucht man fast immer mindestens zwei Dosen“, so Gärtner.

Ein von den Zulassungsbehörden geforderter Titer von 40 oder mehr im Hämagglutininhemmtest (HHT) wurde 21 Tage nach der zweiten Impfung von 2 % der Probanden erreicht, die zwei Impfungen mit 15 µg Hämagglutinin ohne Adjuvans erhalten hatten.

Mit dem AS03-Adjuvans wurde dieser Wert von 84 % und mit M59-Adjuvans von 57 % der Probanden erreicht. Wurde das Adjuvans nach der ersten Impfung gewechselt, führte dies zu niedrigen HHT-Titern als bei zwei Impfungen mit AS03-Adjuvans, aber zu höheren als bei einer Impfung mit MF59-Adjuvans. Höheres Lebensalter und frühere Impfungen gegen Grippe verringerten die Antikörper-Antwort auf den Impfstoff.

Fazit: Eine mit AS03 adjuvantierte Vakzine gegen das Vogelgrippevirus H7N9 löst eine stärkere Antikörperantwort aus als der mit MF59 adjuvantierte Impfstoff. Vakzine mit einem der beiden Adjuvanzien können sequenziell angewandt werden, was für Pandemieprogramme eine höhere Flexibilität erlaubt. „Für die Optimierung der Adjuvanzien im Vogelgrippe-Impfstoff ist dies ein wichtiger Beitrag“, sagt Gärtner. „Bisher gab es noch keine Daten zum direkten Vergleich verschiedener Adjuvanzien. Mit diesen Daten lässt sich eine bessere Planung für den Bevölkerungsschutz realisieren.“ Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Jackson LA, et al.: Effect of varying doses of a monovalent H7N9 influenza vaccine with and without AS03 and MF59 adjuvants on immune response. A Randomized Clinical Trial. JAMA 2015; 314: 237–46.

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