ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2015Nachwuchsmangel: Die KBV will nicht abwarten

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Nachwuchsmangel: Die KBV will nicht abwarten

Dtsch Arztebl 2015; 112(44): A-1801 / B-1489 / C-1453

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Die Zahlen, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ausweist, alarmieren und fordern heraus: Das Durchschnittsalter aller niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten liegt bei 53,6 Jahren (2014), der Berufsstand wird immer älter. Auch ohne die Entwicklung streng hochzurechnen, lässt sich wachsender Mangel absehen. Und wie der ärztliche Berufstand altert die gesamte Gesellschaft. Resultat dieser damit auch multimorbider werdenden Gesellschaft ist ein wachsender Bedarf an medizinischer Versorgung.

Die Situation ist erkannt, wird diskutiert. Vielleicht sorgt die Politik eines Tages durch kluges Handeln für Entkrampfung. Aber die Lage braucht gerade im Bereich der Niederlassung, insbesondere in strukturschwächeren Regionen, schon heute Maßnahmen.

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Die KBV will nicht auf Dritte warten. Sie hat – gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) – aktuell eine Nachwuchskampagne gestartet, die im direkten Umfeld von Deutschlands medizinischen Hochschulen an bundesweit rund 600 Stellen bei Studierenden für die Niederlassung als Vertragsarzt wirbt.

Übrigens: Wie in der Kampagne geworben wird, muss nicht mir und meiner Altersklasse gefallen. Wir gehören nicht zur Zielgruppe. Die ist bedeutend jünger. Selbst wenn ich nicht Journalist, sondern Arzt wäre, böte das kaum entscheidende statistische Hilfe, den Altersdurchschnitt der Mediziner in Deutschland zu reduzieren. Abhilfe schaffen nur gute Analyse und konsequente Taten. Wer Werbemechanismen kennt, braucht sich um die Wirksamkeit dieser Kampagne und ihrer Professionalität keine Gedanken machen. Qualitativ ist sie so gut, dass ihr jetzt der EconAward in Silber für den Bereich der Unternehmenskommunikation zuerkannt wurde.

In der Begründung heißt es: „Der vortreffliche Mix aus Instrumenten aller Medien hat eine außerordentlich große Resonanz bei der Zielgruppe der Medizinstudenten erzeugt . . .“. Die Reichweite der Kampagne, so die Jury, übersteige alle Erwartungen.

Das ist großes Lob von den wirtschaftlich Sachverständigen aus Econ-Verlag und Handelsblatt-Gruppe, die diesen Branchenpreis schon seit 2007 vergeben. Das Resultat überzeugt: Auch so funktioniert Selbstverwaltung. Und: Unsere Gesellschaft von Morgen kann davon profitieren.

Allerdings darf das nicht alles sein. Es bleibt weit mehr zu tun, als Werbekampagnen umzusetzen. Das versteht sich von selbst. Es ist auch nicht nur (aber auch!) damit getan, mehr Geld ins System zu schleusen, um die medizinische Versorgung in der Fläche auch für die kommenden Jahrzehnte zu erhalten.

Aber selbst hier hat die Ärzteschaft bereits deutlich Laut gegeben und gegenüber Politik und Gesellschaft klargemacht, dass die nächsten Ärztegenerationen auch andere Arten von Beschäftigung, eine andere Art des beruflichen Lebens – nämlich im Einklang mit ihrem Privatleben – suchen. Die Niederlassungskampagne trägt in Auftritt und Ansprache genau diesen Vorstellungen Rechnung.

Über die Sorge, die Lebensentwürfe der Nachfolgegeneration könnten das ärztliche Selbstverständnis oder das Attribut ärztlicher Freiberuflichkeit gefährden, wird im Berufstand diskutiert. Und man wird daraus Schlüsse ziehen müssen. Dabei dürfte gelten: Gegensteuern geht, Ausbremsen wohl kaum.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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