ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2015Ärztemangel: Obligates Primärarztsystem
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Es ist schön zu sehen, dass seit Jahren Versuche unternommen werden, um die hausärztliche Versorgung wieder attraktiver zu gestalten (Fördersummen für die Niederlassung zwischen 10 000 und 60 000 Euro, zinslose Darlehen, Gewinnzusage für das erste Jahr nach der Niederlassung, mehr allgemeinmedizinische Präsenz an den Universitäten, usw.).

Ich als frischgebackener Facharzt für Allgemeinmedizin frage mich aber, warum nicht essenzielle Dinge im System geändert werden, wenn man die hausärztliche Tätigkeit attraktiv gestalten und junge Mediziner dazu bringen will, sich als Kassenarzt niederzulassen (für vermutlich einen Zeitraum von circa 30 bis 35 Jahren!).

Als Stichwort gelten hier Regressandrohungen, unüberschaubare Arzneimittelrichtlinien, ständiger Bürokratieaufbau, unzureichende Vergütung im Kassenbereich. Die KVen selbst bezeichnen zum Beispiel die seit 1. Juli 2015 geltende Krankenhauseinweisungsrichtlinie als „realitätsfernes Bürokratiemonster, das den Arztalltag erschwert statt die Patientenversorgung zu optimieren.“ Ebenso mussten niedergelassene Ärzte jüngst Korrekturen bezüglich der Chronikerziffer an die KV melden, was seitens der KV als „Maßnahme betrachtet wurde, um einen völlig missglückten Hausarzt-EBM zumindest in Teilen erträglich zu gestalten.“ Mal im Ernst: Wenn junge Allgemeinmediziner davon überzeugt werden sollen, sich als Kassenarzt niederzulassen und die hausärztliche Versorgung wo auch immer sicherzustellen, muss man den Hausarzt stärken; ihm also nicht ständig neue Steine in den Weg legen, sondern den Weg von Hindernissen freischaufeln und vor allem freihalten. Wer hat in Deutschland endlich den Mut, ein obligates Primärarztsystem vorzuschlagen. So wie es momentan ist, hat man als junger Allgemein- beziehungsweise Kassenarzt nicht das Gefühl, „willkommen zu sein“.

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Dr. med. Andreas Klein, 88250 Weingarten

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