ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1996Transplantationsmedizin: CellCept® – ein neues Immunsuppressivum

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Transplantationsmedizin: CellCept® – ein neues Immunsuppressivum

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LNSLNSLNSLNS Die Einjahres-Überlebensrate von Nierentransplantaten hat sich innerhalb der letzten zwanzig Jahre von etwa 56 Prozent auf rund 90 Prozent verbessert, obwohl die Empfänger immer älter werden. Die Langzeitergebnisse haben sich jedoch kaum verbessert. Nach zehn Jahren funktionieren nur noch 50 Prozent der transplantierten Organe. Häufigste Ursache ist das chronische Transplantatversagen. Seine Pathogenese und Ätiologie ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Eine rasch progrediente Arteriosklerose der Transplantatgefäße scheint im Vordergrund zu stehen.
Wie Prof. Ulrich Frei (Berlin) auf der Einführungspressekonferenz von Hoffmann-La Roche in München bemerkte, ist nur ein Teil des Transplantatversagens durch einen Funktionsverlust bedingt; in 35 bis 40 Prozent der Fälle verstirbt der Patient an einem anderen Leiden.


Neue Substanzen
Die Möglichkeiten der modernen Immunsuppression sind durch eine Reihe von neuen Substanzen bereichert worden. Vor kurzem wurde Mycophenolat-Mofetil (MMF, CellCept®) in Deutschland zugelassen. Im Gegensatz zu Ciclosporin, welches die proliferative Immunantwort durch Hemmung von Interleukin-2 unterdrückt, inhibiert Mycophenolat-Mofetil die Purinsynthese. Damit wird die Proliferation von B- und TLymphozyten als Träger der Immunantwort im Körper unterdrückt. Wirksamkeit und Überlegenheit gegenüber anderen Immunsuppressiva lassen sich an Hand der Daten belegen, die Prof. Günther Kirste (Freiburg) aufführte. In zwei dreiarmigen, doppelblinden und kontrollierten Studien wurde Mycophenolat-Mofetil in einer Dosis zwischen 2 g oder 3 g pro Tag einmal mit Placebo und einmal mit 1 bis 2 mg/kg/die Azathioprin verglichen; alle Patienten erhielten darüber hinaus eine übliche immunsuppressive Basistherapie (Ciclosporin und Kortikosteroide). In der ersten Studie wurden innerhalb von sechs Monaten unter MMF (2 g) bei 17,0 Prozent der Patienten, unter MMF (3 g) bei 13,8 Prozent der Patienten und unter Placebo bei 46,4 Prozent der Patienten akute Abstoßungsreaktionen beobachtet. In der zweiten Studie trat eine erste akute Abstoßung bei 19,8 Prozent, 17,5 Prozent (MMF 2 bzw. 3 g) und 38,0 Prozent (Azathioprin) ein.
Die starke immunsuppressive Wirkung von Mycophenolat-Mofetil führte dazu, daß signifikant weniger komplikationsreiche und toxische Immunsuppressiva wie Antithymozyten-Globulin und monoklonale Antikörper gebraucht wurden. Nebenwirkungen, wie Diarrhö, Leukopenie, Sepsis und Erbrechen, waren gering ausgeprägt. Wie bei anderen Immunsuppressiva besteht auch bei MMF ein dosisabhängiges Risiko für lebensbedrohliche Virusinfektionen (zum Beispiel Zytomegalie).
Mit Mycophenolat-Mofetil in Kombination mit Ciclosporin läßt sich eine hohe immunsuppressive Wirkung mit geringstmöglicher Toxizität verbinden. Erste tierexperimentelle Ergebnisse zeigen, daß auch die chronische Abstoßung durch MMF gehemmt werden kann. Dr. med. A. Bischoff

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