ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2015Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Psychotherapie-Richtlinie: Kombinierbarkeit von Einzel- und Gruppentherapie im Rahmen der psychoanalytisch begründeten Verfahren Erläuterungen zu Änderungen und Ergänzungen der Psychotherapie-Richtlinie

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Psychotherapie-Richtlinie: Kombinierbarkeit von Einzel- und Gruppentherapie im Rahmen der psychoanalytisch begründeten Verfahren Erläuterungen zu Änderungen und Ergänzungen der Psychotherapie-Richtlinie

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Bekanntmachungen

Vom 16. Juli 2015

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat in seiner Sitzung am 16. Juli 2015 beschlossen, die Richtlinie über die Durchführung der Psychotherapie in der vertragsärztlichen Versorgung (Psychotherapie-Richtlinie) in der Fassung vom 19. Februar 2009 (BAnz. S.1399), zuletzt geändert am 16. Oktober 2014 (BAnz AT 02.01.2015 B2), wie folgt zu ändern:

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I. § 19 wird wie folgt geändert:

1. Der Wortlaut wird Absatz 1.

2. Im neuen Absatz 1 wird Satz 1 wie folgt gefasst: „Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und Verhaltenstherapie können jeweils als Einzelbehandlung, als Gruppenbehandlung oder als Kombination aus Einzel- und Gruppenbehandlung durchgeführt werden.“

3. Im neuen Absatz 1 werden in Satz 2 das Wort „nur“ durch das Wort „auch“ ersetzt und die Wörter „aufgrund eines dazu besonders begründeten Erstantrages“ gestrichen.

4. Folgender Absatz 2 wird angefügt:

„Aufbauend auf der Diagnostik ist bei Kombinationen von Einzel- und Gruppentherapie vor Beginn der Behandlung ein Gesamtbehandlungsplan zu erstellen. Bei gleichzeitiger Behandlung durch verschiedene Therapeutinnen oder Therapeuten ist der jeweilige Gesamtbehandlungsplan in Abstimmung zu erstellen und eine gegenseitige Information über den Verlauf der Behandlung sicherzustellen, sofern die Patientin oder der Patient einwilligt.“

5. Folgender Absatz 3 wird angefügt:

„Der G-BA überprüft innerhalb von 4 Jahren nach Inkrafttreten der Regelung deren Auswirkungen auf die Inanspruchnahme der Gruppentherapie – auch in Relation zur Einzeltherapie und entsprechenden Kombinationen – in den psychoanalytisch begründeten Verfahren.“

II. § 23b Absatz 1 wird wie folgt geändert:

1. Nach Nummer 2 wird folgende Nummer 3 eingefügt:

„Analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie nach Nummer 1 und 2 können jeweils als Einzelbehandlung, als Gruppenbehandlung oder als Kombination aus Einzel- und Gruppenbehandlung durchgeführt werden. Die zur Verfügung gestellten Kontingente entsprechen denen der überwiegend durchgeführten Anwendungsform. Dabei wird die in der Gruppentherapie erbrachte Doppelstunde im Gesamttherapiekontingent von Einzeltherapie als Einzelstunde gezählt. Entsprechend wird die in der Einzeltherapie erbrachte Einzelstunde im Gesamttherapiekontingent von Gruppentherapie als Doppelstunde gezählt.“

2. Die bisherigen Nummern 3 bis 8 werden die Nummern 4 bis 9.

3. In der neuen Nummer 9 wird in Satz 1 die Angabe „Nummer 1 bis 7“ durch die Angabe „Nummer 1 und 2 sowie 4 bis 8“ ersetzt.

III. Die Änderung der Richtlinie tritt am Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Die Tragenden Gründe zu diesem Beschluss werden auf den Internetseiten des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses unter www.g-ba.de veröffentlicht.

Berlin, den 16. Juli 2015

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss
gemäß § 91 SGB V

Der Vorsitzende

Prof. Hecken

Die Änderungen betreffen die Möglichkeit zur Kombination von Einzel- und Gruppentherapie und beinhalten die Änderung der bisherigen Formulierungen in § 19 Satz 2 und in § 23b Absatz 1 der Psychotherapie-Richtlinie.

Änderung der bisherigen Formulierungen in § 19 Satz 2 und in § 23 b Absatz 1 der Psychotherapie-Richtlinie
(PT-RL)

Bisher war gemäß § 19 Satz 2 der Psychotherapie-Richtlinie eine Kombination von Einzel- und Gruppentherapie bei den psychoanalytisch begründeten Verfahren lediglich im Ausnahmefall möglich, nämlich bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie in der Sonderform der niederfrequenten Therapie in einer längerfristigen, haltgewährenden therapeutischen Beziehung gemäß § 14a Absatz 3 Nr. 4 der Psychotherapie-Richtlinie.

Modalitäten der Änderungen

Der jetzt gefasste Beschluss sieht sowohl Änderungen in § 19 als auch in § 23b Absatz 1 der Psychotherapie-Richtlinie vor. Analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie können damit als Einzelbehandlung, als Gruppenbehandlung oder als Kombination aus Einzel- und Gruppenbehandlung durchgeführt werden. Die zur Verfügung gestellten Kontingente entsprechen denen der überwiegend durchgeführten Anwendungsform.

Dabei wird die in der Gruppentherapie erbrachte Doppelstunde im Gesamttherapiekontingent von Einzeltherapie als Einzelstunde gezählt. Entsprechend wird die in der Einzeltherapie erbrachte Einzelstunde im Gesamttherapiekontingent von Gruppentherapie als Doppelstunde gezählt.

Aufbauend auf der Diagnostik ist bei Kombinationen von Einzel- und Gruppentherapie vor Beginn der Behandlung ein Gesamtbehandlungsplan zu erstellen. Bei gleichzeitiger Behandlung durch verschiedene Therapeuten ist der jeweilige Gesamtbehandlungsplan in Abstimmung zu erstellen und eine gegenseitige Information über den Verlauf der Behandlung sicherzustellen.

Der G-BA wird auf Basis von Routinedaten für einen Zeitraum von 4 Jahren nach Inkrafttreten der Regelung in § 19 Absatz 1 der Psychotherapie-Richtlinie deren Auswirkungen auf die Inanspruchnahme der ambulanten Psychotherapie in den psychoanalytisch begründeten Verfahren überprüfen.

Ziel dabei ist es, auf der Basis der anonymisierten und aggregierten Routinedaten die Inanspruchnahme ambulanter Psychotherapie in den psychoanalytisch begründeten Verfahren vor Inkrafttreten der Regelung in § 19 Absatz 1 der Psychotherapie-Richtlinie und deren Entwicklung für den Zeitraum von vier Jahren nach Inkrafttreten zu vergleichen.

In-Kraft-Treten am 16.Oktober 2015

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hat die Änderungen am 16. Juli 2015 beschlossen. Sie sind jetzt nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 16.Oktober 2015 in Kraft getreten.

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