ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2015E-Health: Etwas Anekdotisches
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Der „Riesenvorteil in der Diagnostik“ laut Prof. Bendszus zieht bisweilen Weiterungen nach sich:

Eine über 80-jährige – privat krankenversicherte – Patientin hatte sich einer MRT-Neurographie in der innenstädtischen Hamburger Neurologenpraxis unterzogen, in der das MRT-Gerät aufgebaut ist, welches . . . von Heidelberg aus so „absolut zuverlässig“ befundet wird. Die Indikation hatte darin bestanden, dass sich das Endglied ihres Zeigefingers nicht mehr vollständig beugen ließ . . .

Gut erinnere ich mich als niedergelassener Radiologe an den Anruf des verzweifelten Hausarztes der Patientin. Im (kompetenzmäßigen?) Randbereich der Untersuchung waren nämlich diverse Knoten und eine mediastinale Raumforderung erkannt worden, die nun der dringlichen Abklärung bei Krebsverdacht harrten. Nach Diskussion mit dem Hausarzt führten wir die weitere Diagnostik der vermeintlichen Tumorerkrankung in unserer Praxis durch.

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Es ergab sich der in Deutschland und sicher auch in Heidelberg nicht als Rarität zu bezeichnende Befund einer Struma nodosa. Die Knoten an den Schultern waren keine Lymphknoten, sondern Ganglien mit Chondromatosekernen.

Hausarzt und Patientin haben sich über diese Erkenntnisse eines Feld-, Wald- und Wiesenradiologen gefreut.

Meine Einlassung unterstützt folgende Thesen:

  • Es schadet nicht, wenn Arzt und Patient eine gewisse räumliche Nähe verbindet . . .
  • In Hamburg gibt es eine ganz tolle flächendeckende MRT-Versorgung, so dass Kompetenz aus Heidelberg als das Sahnehäubchen der diagnostischen Wegstrecke gelten darf.
  • Hamburger Radiologen freuen sich nicht über „Rosinenpicker“, die sich an der kassenärztlichen Versorgung nicht beteiligen, wohl aber selektiv an privat Versicherten „High-end-Diagnostik“ betreiben. Die Art der – sicher altruistischen – Motivation kann ich natürlich nicht beurteilen.

Dr. med. Hans-W. Christl, 22529 Hamburg

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