ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2015Blutspende: Ohne erhöhte Eisenaufnahme ist die Erholungszeit lang

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Blutspende: Ohne erhöhte Eisenaufnahme ist die Erholungszeit lang

Dtsch Arztebl 2015; 112(45): A-1885 / B-1559 / C-1517

Siegmund-Schultze, Nicola

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Als Voraussetzung für Blutspenden wird in vielen Ländern, auch in Deutschland, ein Hämoglobinausgangswert von mindestens 12,5 g/dL bei Frauen empfohlen und von 13,5 g/dL bei Männern. Die Empfehlungen zu minimalen Abständen zwischen Blutspenden liegen bei 8–12 Wochen. Eine orale Eisenprophylaxe nach Blutspende ist nicht obligatorisch, aber optional. In einer randomisierten Studie in den USA wurde untersucht, wie lang es dauert, bis nach einer Blutspende die Eisenspeicher wieder aufgefüllt sind und das Hämoglobin (Hb) 80 % des Basiswerts erreicht.

Hämoglobin vor und nach Blutspende bei verschiedenen Ferritinbasiswerten
Hämoglobin vor und nach Blutspende bei verschiedenen Ferritinbasiswerten
Grafik
Hämoglobin vor und nach Blutspende bei verschiedenen Ferritinbasiswerten

Die 215 Probanden durften seit mindestens 4 Monaten kein Blut gespendet haben, 63 % waren Frauen. 101 Probanden hatten zum Zeitpunkt der Blutspende (500 mL) ein Ferritin ≤ 26 ng/mL und 114 > 26 ng/mL. Diese beiden Gruppen wurden jeweils 1:1 randomisiert: Entweder sollten sie täglich 325 mg Eisengluconat (37,5 mg elementares Eisen) als Tablette nehmen oder erhielten keine Eisenprophylaxe. EDTA-Blut wurde vor Blutspende und zu 7 Zeitpunkten danach, in der 1. und 2. Woche und in größeren Abständen bis Woche 24 entnommen.

Nach der Blutspende waren die Hb-Werte von durchschnittlich 13,4 auf 12,0 g/dL bei Spendern mit niedrigerem Ferritin gesunken und von 14,2 auf 12,9 g/dL bei denen mit höherem Ferritinausgangswert. Bis 80 % des Hb-Ausgangswerts erreicht waren, benötigen Probanden mit niedrigem Ferritin bei täglicher Eisensupplementation durchschnittlich 32 Tage und 158 Tage ohne Eisenergänzung, in der Gruppe mit höherem Basisferritinwert waren es bei Eisenergänzung durchschnittlich 31 Tage, ohne Eisenprophylaxe 78 Tage. Bis die Basisferritinwerte erreicht waren, dauerte es mit Eisentabletten 21 Tage bei niedrigerem Ferritin und > 168 Tage ohne Eisenpräparat, in der Gruppe mit höherem Ferritinbasiswert waren es durchschnittlich 107 Tage mit Eisentabletten und > 168 Tage ohne Eisensupplementation.

Fazit: Die meisten Blutspender benötigen deutlich länger als die als Mindestabstand empfohlenen 8 Wochen zwischen Blutspenden, bis sie ohne Eisensupplementation 80 % des Hb-Ausgangswertes erreichen, mit Eisenprophylaxe waren es 31–32 Tage. Zwei Drittel erreichten ohne Eisenpräparate auch nach 4 Monaten noch nicht ihre Ferritinausgangswerte. „Pro Blutspende gehen circa 250 mg Eisen verloren, bei einer regulären täglichen Aufnahme von 1–2 mg aus der Nahrung würde dies rein rechnerisch zu einer lang dauernden Erholungsphase führen“, kommentieren Dr. med. Markus Müller und Prof. Dr. med. Erhard Seifried vom Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie der Universität Frankfurt. Die Substitution von Eisen sei aufgrund der mangelhaften Compliance schwierig, die Blutspender würden durch gastrointestinale Nebenwirkungen abgeschreckt. Es werde in Deutschland aber schon vor der ersten Spende intensiv über den Eisen- und Erythrozytenstoffwechsel aufgeklärt und eisenhaltige Nahrung empfohlen, auch vegetarische und vegane. Wer ein Steak esse, sollte Orangensaft (Vitamin C) dem Rotwein vorziehen, da Rotwein ebenso wie Kaffee und Tee Gerbstoffe enthalte, die Eisen binden. Die Hämoglobinbestimmung vor Blutspende reagiere erst bei manifester Eisenmangel-„Anämie“. Es sei eine noch engere Kooperation der Blutspendeärzte mit Hausärzten und anderen niedergelassenen Kollegen zu wünschen, weil sie die Spender kennen und Diagnostik, aber auch Substitutionstherapien unterstützen könnten. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Kiss JE, Brambilla J, Glynn SA, et al.: Oral iron supplementation after blood donation. A randomized trial. JAMA 2015; 313: 575–83.

Hämoglobin vor und nach Blutspende bei verschiedenen Ferritinbasiswerten
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Hämoglobin vor und nach Blutspende bei verschiedenen Ferritinbasiswerten

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