ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2015Mandelentzündung: Zu umfangreich
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Kürzlich wurde im DÄ auf die Verfügbarkeit der neuen Leitlinie zur Tonsillitis hingewiesen.

Da dieses Thema auch für mich praxisrelevant ist, habe ich mich damit beschäftigt. Leider erging es mir hier so, wie bei vielen anderen Leitlinien, die auf der AWMF-Seite veröffentlicht sind: Für den Leser, der eine schnelle Orientierung braucht, ist die Leitlinie viel zu umfangreich. Wie bei allen anderen Leitlinien werden erst zahlreiche Präliminarien ausführlichst dargestellt, bevor es zu dem medizinisch relevanten Thema kommt, was aber ebenfalls zu umfangreich abgehandelt wird. Auch hier fehlt, wie in fast allen anderen Leitlinien, ein Abstract im Sinne einer „Take-Home-Message“. Die Leitlinie ist ausführlich, gut geschrieben und behandelt das Thema erschöpfend. Dennoch bin ich nach der Lektüre wieder einmal zur Ansicht gelangt, dass mit den zahlreich publizierten Leitlinien an den Bedürfnissen der meisten Ärzte vorbeipubliziert wird.

Wir werden heute bei unseren ärztlichen Entscheidungen oft daran gemessen, ob unsere Entscheidungen durch wissenschaftliche Evidenz gesichert sind. Diese wird in den Leitlinien sichergestellt. Das heißt, in juristischen, aber auch in vertragsrechtlichen Belangen (Regress etc.) muss sich der Arzt an den Leitlinien messen. Angesichts der Art, wie heute die Leitlinien publiziert werden, ist das kaum möglich. Selbst in meinem Schwerpunktgebiet, der Gastroenterologie, brauchte es Wochen, alle relevanten Leitlinien komplett zu lesen. Als Beispiel nenne ich die ausgezeichnete Leitlinie zum Reizdarmsyndrom, die ich zu einem Buch binden lassen habe, um sie mit Markierungen zu versehen, damit ich schneller auf relevante Punkte zugreifen kann. Sollte das wirklich der Sinn von Leitlinien sein, alle Entscheidungen expertensicher detailliert zu begründen und sie damit für den Praktiker unlesbar zu machen? Mein Wunsch wäre, dass künftig alle Leitlinien auch in einer stark komprimierten Form mit den praxisrelevanten Punkten veröffentlicht werden, möglichst in Tabellenform. Darüber hinaus wäre auch ein Glossar für die Langfassung äußerst hilfreich . . .

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Dr. med. Hermann Doßmann, 21339 Lüneburg

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