SUPPLEMENT: PRAXiS

Kreditmanagement: Interessenkonflikte

Dtsch Arztebl 2015; 112(45): [20]

Vetter, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Fotolia/Bacho
Foto: Fotolia/Bacho

Die internen Rollenverteilungen im Kreditgeschäft der Banken sind für Ärzte nicht immer leicht zu verstehen.

Keine Begründung, nur ein eher lapidarer Ausdruck des Bedauerns: So liest sich die schriftliche Ablehnung der seit Beginn der Bankverbindung einmal im Jahr üblichen Bitte von Sebastian P., seinen Überziehungskredit auf dem Praxiskonto für drei Monate von 20 000 Euro auf 35 000 Euro zu erhöhen. Zum Hintergrund: P. benötigt diesen zusätzlichen Finanzierungsspielraum für die vor allem durch Sonderzahlungen an seine Mitarbeiterinnen und durch größere Praxisrechnungen verursachte erhöhte Inanspruchnahme seines Überziehungskredites. Während der vergangenen Jahre hat es diesbezüglich nicht ein einziges Mal Probleme mit dem seit langem für ihn zuständigen Bankmitarbeiter gegeben.

Anzeige

Nachdem die befriedigende Bonität von P. zu Beginn der Geschäftsverbindung zunächst anhand der wirtschaftlichen Zahlen der Praxis und der folgenden, im Monatsrhythmus erstellten betriebswirtschaftlichen Auswertungen festgestellt und immer wieder bestätigt wurde, erfolgten die vorübergehenden Erhöhungen des Kreditrahmens fast wie ein „Dauerauftrag“. Einmal im Jahr vom Steuerberater angefertigte Liquiditäts- und Rentabilitätsprognosen unterstützten die Bankeinschätzung.

Ablehnung ohne Begründung

Im erwähnten Bankschreiben wurde die fehlende Begründung um den Allgemeinplatz ergänzt, „. . . dass sich das Kreditmanagement derzeit nicht in der Lage sieht, einer erneuten Ausweitung der Kreditverbindlichkeiten zuzustimmen“.

Einmal abgesehen davon, dass es zwischen P. und seinem Ansprechpartner in der Bank bisher üblich war, Probleme zunächst telefonisch zu besprechen, wunderte sich P. über die offenbar geänderte Zuständigkeit. Während sein Kundenberater nach eigener Aussage zum Bankenvertrieb gehört, ist gemäß dem Schreiben nun offenbar das Kreditmanagement zuständig. Dies wäre für P. natürlich noch hinnehmbar, wenn sich an der bisherigen Finanzierungspraxis nichts ändern würde.

Danach sieht es nun allerdings nicht mehr aus. Nach einem in der Zwischenzeit erfolgten Telefongespräch mit einem anderen Bankmitarbeiter (der eigentlich zuständige Kundenberater befindet sich im Urlaub), wurden P. die internen Zusammenhänge im Kreditgeschäft seiner Bank verdeutlicht. Danach wird das Kreditgeschäft von zwei Bereichen, dem Vertrieb und dem Kreditmanagement, getragen. Während der Vertrieb in erster Linie für Kreditumsatz und Kreditwachstum verantwortlich ist, liegt der wesentliche Aufgabenbereich des Kreditmanagements „im Erkennen und Verringern von Bonitätsrisiken“, so die etwas umständliche telefonische Erklärung.

Beide Bereiche sind demzufolge für die jeweilige Kreditvergabe gemeinsam zuständig, allerdings mit den genannten unterschiedlichen Schwerpunkten.

Nur die Unterlagen zählen . . .

Diese „unterschiedlichen Schwerpunkte“ sind für P. nun auch im persönlichen Bereich klar nachvollziehbar. Während der Vertriebsmitarbeiter den Kunden auch als unmittelbaren Gesprächspartner kennt und die persönliche Zuverlässigkeit nicht nur durch die Auswertung betriebswirtschaftlicher Zahlen herleitet, orientiert sich der zuständige Mitarbeiter des Kreditmanagements nahezu ausschließlich an den ihm vorliegenden Unterlagen. Persönliche Kontakte zum Kreditnehmer sind nach wie vor die Ausnahme.

Vor dem Hintergrund dieser bankinternen Rollenverteilung ist es aus Sicht von P. also durchaus verständlich, dass es im Vorfeld einer Kreditentscheidung oft zu intensiven Diskussionen der jeweiligen Bankmitarbeiter kommt, bevor letztlich eine Zusage oder Ablehnung des Kreditwunsches erfolgt.

Keine Krediterhöhungen mehr „quasi auf Zuruf“

Bei P. liegt der Fall offensichtlich ähnlich. Gab es während der vergangenen Jahre keinerlei Probleme in der Abstimmung zwischen Vertrieb und Kreditmanagement, scheint sich das Blatt nun zu wenden. Wie P. im Verlauf des Telefonats nämlich weiter erfuhr, ist der Kreditsachbearbeiter des Kreditmanagements nicht mehr bereit, Krediterhöhungen „quasi auf Zuruf“ zu genehmigen. Ab sofort muss jedes Mal ein neuer Kreditantrag gestellt und entsprechend vorbereitet werden.

Für das eher unpersönliche Schreiben entschuldigt sich der Bankmitarbeiter. Er führt dies vor allem auf die urlaubsbedingte Abwesenheit seines Kollegen zurück, der den Versand dieses Schreibens „wohl verhindert und stattdessen mit dem Kunden telefoniert hätte“. Einer Krediterhöhung steht für ihn nach der Urlaubsrückkehr seines Kollegen übrigens nichts im Weg.

P. wird, Kreditverlängerung hin oder her, nun jedenfalls die Konsequenzen aus der Situation ziehen. Dazu gehört einerseits ein persönliches Gespräch mit seinem bisherigen Ansprechpartner über die künftigen Anforderungen an die weiterhin erforderlichen Krediterhöhungen und andererseits eine Intensivierung der Geschäftsverbindung mit seiner Zweitbank. Diese führt bisher, im Vergleich zur Hausbank von P., eher ein finanzielles Schattendasein. Dies dürfte sich nun ändern, da P. sicherstellen will, dass ihm zumindest ein Kreditinstitut kurzfristig und, soweit möglich, auch weitgehend komplikationslos bei anstehenden Finanzierungen behilflich ist. Michael Vetter

Wichtiges in Kürze:

  • Der Arzt versucht zunächst, sich die möglichen Interessenkonflikte zwischen Bankvertrieb und Kreditmanagement zu verdeutlichen, um Verständnis für beide Positionen zu gewinnen.
  • Es kann auch sinnvoll sein, nicht nur den Vertriebsmitarbeiter als unmittelbaren Ansprechpartner, sondern auch den zuständigen Mitarbeiter des Kreditmanagements persönlich kennenzulernen.
  • Der Arzt sollte sich grundsätzlich nicht auf bisher möglicherweise unbürokratische Finanzierungszusagen verlassen. Er sollte vielmehr Wert auf verbindliche und nachvollziehbare Regelungen legen.
  • Der Arzt stellt darüber hinaus sicher, dass auch während der Abwesenheit des regelmäßigen Ansprechpartners in der Bank dessen Vertreter in der Lage ist, ihm zu helfen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote