ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2015Geldanlage: Praxisvermögen braucht Sicherheit

SUPPLEMENT: PRAXiS

Geldanlage: Praxisvermögen braucht Sicherheit

Dtsch Arztebl 2015; 112(45): [22]

Vetter, Michael

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Für eine überdurchschnittliche Verzinsung sollten spekulative Anlageformen nur beim Privatvermögen in Betracht kommen.

Foto: Fotolia/Gina Sanders
Foto: Fotolia/Gina Sanders

Wie schnell wirtschaftliche Vernunft auf der Strecke bleiben kann, wenn es um angeblich überdurchschnittliche Renditen geht, zeigt der folgende Praxisfall: Die Dramatik der vergangenen Monate an den Aktienmärkten hat auch bei Dieter K. als Inhaber einer Arztpraxis Eindruck hinterlassen. Obwohl ihn der Wertpapierberater seiner Hausbank mittlerweile drängt, zumindest „vorsichtig und schrittweise wieder in Aktien zu investieren“, sieht K. hierzu keine Veranlassung. Dazu sitzt ihm der Schreck noch zu sehr in den Gliedern: Unmittelbar nach dem Verkauf einer größeren Aktienposition musste er das Börsendesaster und die anschließenden rasanten Kursverluste selbst miterleben. Nur dem glücklichen Zufall des rechtzeitigen Verkaufs war es zu verdanken, dass K. nicht auch selbst zu den Verlierern gehörte.

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Allzu weit scheint es ihm mit der, wie er damals sagte, „heilsamen Lehre“ nun aber doch nicht her zu sein. Kaum hat ihm nämlich vor einigen Tagen ein Kollege mitgeteilt, dass er mit Anleihen in Fremdwährungen nicht nur fünf Prozent Zinsen, sondern darüber hinaus mit der Währung auch angeblich „satte“ Kursgewinne erzielt hat, sieht K. eine realistische Chance, den nach wie vor niedrigen Anlagezinsen ein Schnippchen zu schlagen. Mehr noch: K. denkt ernsthaft darüber nach, nicht nur Teile seines Privatvermögens, sondern auch einen erheblichen Betrag, den er eigentlich für Investitionen in seine Praxis vorgesehen hatte, dort zu investieren.

Keine Spekulation mit Praxisvermögen

K., der sich bisher nur als Privatperson bei spekulativen Anlageformen ausschließlich mit Aktien bekannter Unternehmen beschäftigte, war offenbar so beeindruckt, dass er seinen Wertpapierberater ausdrücklich um entsprechende Offerten in ausländischen Währungen bat, was dieser auch kurzfristig versprach.

Sollte es tatsächlich zu diesen Angeboten kommen, wäre K. gut beraten, erst einmal seine Gedanken in der gebotenen Ruhe zu ordnen. Praxisgelder haben nämlich grundsätzlich nichts in spekulativen Anlageformen zu suchen. Dabei ist es zunächst einmal einerlei, ob es sich um Währungsanleihen oder um andere spekulative Anlagen, wie zum Beispiel um Aktien, handelt. Der damit ohnehin bereits verbundene und vor allem in der heutigen Zeit kaum mehr zu kalkulierende Risikofaktor wird nochmals dadurch erhöht, dass das Kapital im Praxisvermögen erfahrungsgemäß nur wenige Wochen oder Monate angelegt werden kann.

Im Fall des Kollegen war es wohl eher eine Fügung des Schicksals, dass innerhalb von nur einem halben Jahr ein überdurchschnittlicher Wertzuwachs erzielt wurde. Die bei geschäftlichen Geldanlagen erforderliche Sicherheit und eine gleichzeitig weit überdurchschnittliche Verzinsung schließen sich nach den Grundsätzen einer seriösen Geldanlage aus. Praxisverantwortliche, die den Sicherheitsaspekt (auch) bei geschäftlichen Geldern völlig zu Recht hoch ansiedeln, bleibt danach also kaum eine andere Wahl, als die derzeit angebotenen Minizinssätze an den Geldmärkten zu akzeptieren.

Mögliche Währungsverluste

Die Risikobetrachtung gilt naturgemäß auch für die erwähnten Währungsanleihen, bei denen durch die Zinsunterschiede zum Euro zwar höhere Erträge möglich sind, dies im Ergebnis aber nur dann erfolgreich ist, wenn die jeweilige Fremdwährung während der Laufzeit der Anlage nicht an Wert verliert. Geschieht dies jedoch, ist nicht nur der Zinsvorteil in Gefahr, sondern sehr schnell auch ein Teil des eingesetzten Kapitals. Wird dieses Kapital dann noch zu einem konkreten Zeitpunkt benötigt und steht es durch derartige Spekulationsverluste nicht in voller Höhe zur Verfügung, muss je nach Liquiditätslage der Praxis die Hausbank mit einer möglicherweise kostspieligen Finanzierung einspringen.

Es ist darüber hinaus leicht vorstellbar, wie die Reaktion der Bank ausfällt, wenn der Arzt erklären muss, wie er eine „verantwortungsbewusste Anlagepolitik“ als Teil seiner strategischen Praxisführung offenbar definiert. Je nach Kreditgeber kann ein solches Verhalten durchaus Auswirkungen auf das Praxisrating, also die Kreditbeurteilung der Banken, haben, in dem Faktoren wie die angesprochene Unternehmensführung an Bedeutung gewinnen.

Finanziell gefährlich kann es übrigens auch dann werden, wenn versucht wird, durch längerfristige Anlagen, wie festverzinsliche Wertpapiere, Zinsunterschiede zu kürzeren Anlageformen, wie Tages- oder Termingeldern, auszunutzen. Zwar kann diese Strategie je nach Zinssituation einerseits etwa ein oder zwei Prozent mehr Ertrag bringen, andererseits muss aber mit Kursverlusten dieser Wertpapiere bei einem Verkauf während der Laufzeit gerechnet werden, die zumindest einen Teil des Nettogewinns wieder aufzehren dürften.

Im Ergebnis bleibt es also dabei: Für die Praxis vorgesehene Gelder sollten je nach Anlagezeitraum ausschließlich sicher angelegt werden, auch wenn dies zu Zinseinbußen führt. Ob und in welchem Umfang Praxisverantwortliche dagegen im Privatbereich eine spekulativere Anlagepolitik betreiben, wird jeder Arzt individuell entscheiden.

Michael Vetter

Was bei Geldanlagen wichtig ist

  • Selbst bei als sicher geltenden Anlageformen sollten sich Ärzte davon überzeugen, dass das Finanzinstitut ihrer Wahl einem Einlagensicherungsfonds angehört, der die Rückzahlung des Geldes in vollem Umfang garantiert. Nähere Informationen erteilt das Geldinstitut selbst beziehungsweise die Bankenaufsicht (Bafin.de).
  • Wichtig sind bei Geldanlagen außerdem mögliche Kosten, die die Gesamtverzinsung reduzieren. Ebenfalls von Bedeutung sind eventuelle Kündigungsfristen der Anlagebeträge, die bei den persönlichen oder betrieblichen Planungen berücksichtigt werden sollten.
  • Alternativ zu kurzfristigen Tages- und Termingeldkonten können sich auch herkömmliche Geldmarktfonds zur Anlage von Praxisvermögen eignen. Dazu sollten die entsprechenden Bedingungen des jeweiligen Bankinstituts sorgfältig geprüft werden.

Das „magische Dreieck der Geldanlage“

Die „Magie“ der drei Anlagekriterien Sicherheit, Rentabilität und Liquidität besteht darin, dass es bei Versuchen, diese Kriterien zu optimieren, immer wieder zu Konflikten kommt: Ärzte, die zum Beispiel an einer sicheren Geldanlage interessiert sind, müssen eine vergleichsweise geringere Rendite beziehungsweise Rentabilität akzeptieren als etwa Kollegen, die bereit sind, bei der Kreditwürdigkeit oder Bonität des Anlageschuldners Abstriche zu machen. Eine weit überdurchschnittlich hohe Verzinsung geht also meist mit einem entsprechend hohen Risiko einher, die angelegten Beträge später auch tatsächlich wieder zurück zu bekommen.

Ebenso schwierig ist die Situation für Anleger, die auf eine kurzfristige Verfügbarkeit der angelegten Beträge Wert legen, da eine jederzeitige Liquidierbarkeit in der Regel zu Renditenachteilen führt. Im Ergebnis sollte für den Anleger also ein Kompromiss innerhalb dieser Anlagekriterien möglich sein, der dem individuellen Sparziel zumindest weitgehend entspricht.

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