ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 4/2015Medica 2015: Die Trends der vernetzten Gesundheit

Supplement: PRAXiS

Medica 2015: Die Trends der vernetzten Gesundheit

Dtsch Arztebl 2015; 112(45): [4]

Krüger-Brand, Heike E.

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Telemedizinische Anwendungen, Gesundheits-Apps und Wearables sind Schwerpunktthemen der Medizinmesse.

Foto: mdica
Foto: mdica

Telemedizinische Anwendungen zählen zu den großen Zukunftstrends in der Medizin. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Projekten in Deutschland – das von der E-Health-Initiative des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums initiierte Deutsche Telemedizinportal listet mehr als 200 Projekte hierzulande (http://telemedizin.fokus.fraunhofer.de). Bei der Medizinmesse Medica in Düsseldorf, die in diesem Jahr vom 16. bis 19. November – also mit neuen Laufzeittagen von Montag bis Donnerstag – stattfindet, bildet dieses Thema schon seit einigen Jahren einen thematischen Schwerpunkt. Vor allem im Health IT Forum und im Connected Healthcare Forum, aber auch im Ausstellungsbereich sind vielfältige Facetten der Telemedizin zu sehen.

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So spielen Telekonsile zum interdisziplinären Austausch zwischen Ärzten, zum Beispiel bei Tumorkonferenzen, zunehmend eine Rolle. Gleiches gilt für das Telemonitoring, bei dem die Vitaldaten von chronisch Kranken oder von Hochrisikopatienten kontinuierlich durch medizinische Spezialisten überwacht werden, etwa in der Teleintensivmedizin oder beim Monitoring von Herzinsuffizienz- und Bluthochdruckpatienten. Schließlich findet bereits vielerorts Teletherapie statt, beispielsweise im Rahmen von internetgestützter Psychotherapie oder zur Unterstützung von Adipositaspatienten bei der Gewichtsabnahme.

Ein wesentlicher Trend sind dabei mobile Systeme, etwa in der Notfallversorgung: Die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Uniklinik Münster stellt mit ihrem Projekt MA-RIKA beispielsweise ein Notarztsystem für Smartphones vor (Halle 15/D05). Im Rahmen eines Förderprojektes des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) wurde eine App entwickelt, die innerhalb von Sekunden ein Gespräch zwischen dem Notarzt und den diensthabenden Klinikärzten ermöglicht und Notfallpatienten ankündigt.

Nutzennachweis erforderlich

Bereits CE-zertifiziert und ein Medizinprodukt der Klasse IIa ist beispielsweise „CardioSecur“ (Personal MedSystems, www.mobile-ecg.com), ein mobiles EKG-Gerät für Smartphones und Tablet-PCs, das mit nur vier Elektroden auskommt. Es ermöglicht es, Herzsymptome dann aufzuzeichnen und zu deuten, wenn sie auftreten, und ist sowohl für Patienten als auch für Ärzte geeignet (Halle 15/D46).

Die Digitalisierung von Prozessen und die Vernetzung im Gesundheitsbereich stellen im Hinblick auf Datenschutz und Datensicherheit besonders hohe Anforderungen, da Gesundheits- und Patientendaten zu den sensibelsten Daten überhaupt zählen. Vor diesem Hintergrund ist bei telemedizinischen Verfahren vor einer Aufnahme in den GKV-Leistungskatalog zu klären, welche Chancen und Risiken mit ihrem Einsatz verbunden sind und wie ein Nutzennachweis erbracht werden kann. Nicht immer ist möglicherweise ein solcher Nachweis in Form von randomisierten, kontrollierten Studien erforderlich, etwa wenn telemedizinische Anwendungen keine neuen Methoden, sondern nur prozessuale Veränderungen darstellen. Fragen wie diese werden auf den Medica-Foren diskutiert.

Elektronische Prozesse, in denen zusätzliche Daten erzeugt und gesammelt werden, können darüber hinaus dazu beitragen, die Patientensicherheit zu erhöhen, etwa um Problemen bei Medizinprodukten schneller auf die Spur zu kommen. Ein Beispiel dafür ist der Aufbau von medizinischen Registern, wie dem Endoprothesenregister.

Das mobile EKG System „CardioSecur“ für Smartphone oder Tablet umfasst eine App und ein EKG-Kabel mit vier Elektroden. Foto: Personal Medsystems
Das mobile EKG System „CardioSecur“ für Smartphone oder Tablet umfasst eine App und ein EKG-Kabel mit vier Elektroden. Foto: Personal Medsystems

Auch die europäische Medizinprodukte-Verordnung, die derzeit im Trilog zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und EU-Rat verhandelt wird, soll dazu beitragen, dass sich Skandale, wie zuletzt um schadhafte Bandscheibenprothesen, nicht wiederholen. Durch eine verpflichtende, eindeutige, maschinenlesbare Kennzeichnung von Medizinprodukten will man künftig die Rückverfolgbarkeit von Medizinprodukten sicherstellen. In den USA ist die Unique Device Identification (UDI) bereits seit Ende 2014 vorgeschrieben. Künftig sollen auch in Europa Medizinprodukte eine individuelle Nummer erhalten und diese Kennungen in einer Datenbank gespeichert werden. Für die Kodierung kommen Barcodes, DataMatrix-Technik sowie die radiofrequente Funktechnologie (RFID) infrage. Experten rechnen damit, dass die Medizinprodukte-Verordnung im nächsten Jahr verabschiedet wird. Während der Medizinmesse werden die Folgen dieser Entwicklung für Deutschland diskutiert.

Mobile Anwendungen in Form von „Wearables“ sind inzwischen ebenfalls feste Bestandteile einer vernetzten Gesundheit. Im Rahmen des „Connected Healthcare Forums“ und der „Wearable Technologies Show“ (Halle 15/A23) präsentieren rund 30 Unternehmen Geräte und neue Technologien aus diesem Bereich. Das Spektrum reicht von Lifestyle-Produkten wie der Apple Watch über intelligente Brillen bis hin zu elektronischen Pflastern, die über Sensoren Körperdaten abrufen und dosiert Medikamente an die Haut abgeben.

Viele Produkte für die Blutdruck- und EKG-Messung sind inzwischen kompatibel mit iOS- und Android-Smartphones und -Tablets. Foto: quarm
Viele Produkte für die Blutdruck- und EKG-Messung sind inzwischen kompatibel mit iOS- und Android-Smartphones und -Tablets. Foto: quarm

Für Diabetiker gibt es bereits innovative Entwicklungen, wie das von der FDA zugelassene „Diabetes Care’s FreeStyle Libre“ (www.freestylelibre.de). Der Sensor des Pflasters wird auf der Rückseite des Oberarms mittels eines einfachen Applikators angebracht. Dabei schiebt sich ein feiner steriler Fühler unter die Haut. Mit jedem Scan erhält der Patient direkt seinen aktuellen Glukosewert, die Daten der letzten acht Stunden und eine Trendangabe. Zu sehen sind in Halle 15/A23 die elektronischen Pflaster von RootiLabs (www.rootilabs.com) und Feeligreen (www.feeligreen.net). Mit dem „dermoPatch“ von Feeligreen können etwa Schmerzmittel oder Kosmetika verabreicht werden. Dabei werden mittels einer geringen elektrischen Spannung über die aufgedruckten Elektroden die Wirkstoffe in ionisierter Form an die Haut abgegeben.

Patient als Datenlieferant

Eine weiterer Trend ist der Patient als Übermittler seiner eigenen biometrischen Daten für den Arzt. Dabei stammen die Daten oft von Geräten, die nicht für den medizinischen Bereich als Medizinprodukt zertifiziert sind. So stellt etwa das Unternehmen Qardio Produkte für die Blutdruck- und EKG-Messung sowie Körperfettmessgeräte vor, die kompatibel mit iOS- und Android-Smartphones und -Tablets sind. Inwiefern solche Geräte künftig zur Diagnose und Therapiefindung beitragen können, ist noch zu klären. Heike E. Krüger-Brand

Medica-Veranstaltungen

Infos zu den Öffnungszeiten sowie zu allen Konferenzen und Sonderschauen sind unter www.medica.de zu finden.

  • Medica Education Conference; Schwerpunkte: Chirurgie und neue operative Techniken (16.11.), Bildgebung, Endoskopie und Interventionen (17.11), Geriatrie, Ernährungs- und Palliativmedizin (18.11) sowie Infektiologie, Entzündung und Labormedizin (19.11.)
  • DiMiMED – Konferenz für Katastrophen- und Wehrmedizin (17. und 18.11.); die Konferenz beschäftigt sich in diesem Jahr insbesondere mit den Einsätzen in Krisengebieten. Dabei werden im Hinblick auf humanitäre Hilfeleistungen in den Katastrophengebieten auch die zivilen Hilfsorganisationen und deren Leistungen betrachtet. Neben Vorträgen zu Innovationen und wissenschaftlichen Fragen in der Katastrophen- und Militärmedizin geht es im interaktiven Simulations-Workshop um die praktische Umsetzung von Hilfsmaßnahmen bei Großschadensereignissen. Zudem gibt es eine Session zur Katastrophenmedizin im internationalen Vergleich.
  • Medica Medicine + Sports Conference; Konferenz zu Themen der Prävention und Sportmedizin (17. und 18.11.)
  • Medica Physio Conference; Konferenz für Physiotherapeuten, Sportmediziner und Orthopäden (18. und 19.11.)

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