ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2015Randnotiz: Jetzt geht’s um die Wurst

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Randnotiz: Jetzt geht’s um die Wurst

Hibbeler, Birgit

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Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat den Verzehr von rotem Fleisch als „wahrscheinlich karzinogen für den Menschen“ eingestuft. Fleischwaren, wie zum Beispiel Würstchen oder Schinken, werden sogar sicher als „krebserregend“ eingestuft. Als Gruppe-1-Karzinogen stehen sie damit auf einer Stufe mit dem Tabakrauchen. Die IARC, eine Einrichtung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), sieht vor allem einen Zusammenhang zum kolorektalen Karzinom (Lancet Oncology 2015; doi: 10.1016/S1470-2045(15)00444-1).

Die Nachricht fand hierzulande ein beachtliches Medienecho. Doch kommen wir nach der ersten Aufregung zu den Fakten: Die Einschätzung der IARC ist qualitativ, nicht quantitativ. Auch wenn Fleischwaren in die gleiche Kategorie wie Tabakrauchen eingestuft werden, heißt das nicht, dass beide tatsächlich in ihrer Schädlichkeit vergleichbar sind. So gibt es nach Berechnungen des Global Burden of Disease Project jährlich eine Million Krebstodesfälle durch Rauchen, aber nur 34 000 durch Fleischwaren.

Das ist keine Entwarnung und auch kein Aufruf zu maßlosem Wurstessen. Dass übermäßiger Fleischkonsum ungesund ist, dürfte allgemein bekannt sein. Und es ist gut, dass die WHO auf die Problematik deutlich hinweist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu essen. Die Dosis macht das Gift.

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Die Angst vor Krebs durch zuviel Fleisch ist ein Luxusproblem. Während wir mit unseren Wurstbroten vor der Tagesschau sitzen, irren Millionen Flüchtlinge durch die Welt. Gerade die WHO könnte in diesen Zeiten andere Themen setzen.

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