ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2015Internetportal: Nötiger denn je
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Negative Erfahrungen mit IGeL können nur noch bis Anfang 2016 in ein Portal eingegeben werden. Danach entfällt dessen Finanzierung durch das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. So wird es schwieriger, IGeL-Offerten auf Regeleinhaltung des Patienten-Rechte-Gesetzes zu überprüfen . . .

Nach Daten einer Cochrane-Metaanalyse von 14 Studien mit 182 000 Menschen ist noch mehr zu tun. Jene mit regelmäßigem ärztlichen Check-up unterschieden sich in Sterblichkeitsdaten nicht von jenen ohne Teilnahme an Vorsorgemaßnahmen.

Danach scheint es ausreichend, wenn Erkrankungen vom Arzt vermutet werden und dann gezielt Diagnostik erfolgt. Die „Rundum“-Untersuchung bei beschwerdefreien Menschen ist damit fraglicher denn je. Das gilt insbesondere für IGeL. Letztere fördern mehr Diagnosen ohne Konsequenzen – das verunsichert zu oft.

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Die Cochrane-Daten mit Studiendauern bis 22 Jahre sind ernst zu nehmen . Dazu die drei dänischen Forscher in einem Editorial von 2014 (1): „General health checks don´t work. It`s time to let them go.“

Dieses ernüchternde Statement lässt Zweifel am Ziel aufkommen: viele Krankheiten vor Symptomen zu erkennen für bessere Therapierbarkeit – abgesehen von wenigen Ausnahmen.

Die Cochrane-Daten ergaben keine deutlichen Gesundheitsunterschiede zwischen jenen mit und ohne Nutzung ärztlicher Vorsorge-/Früherkennungsmaßnahmen. Beide Gruppen unterschieden sich nicht hinsichtlich Krankenhauseinweisungen und Krankschreibungen.

Die dänischen Autoren fordern unnötigen Früherkennungsuntersuchungen entgegenzuwirken, indem deren Nutzen auf die klinisch relevanten Endpunkte Morbiditäts- und Moralitätsminderung überprüft werden. Das gilt besonders für IGeL-Aktivitäten, die weiter kritisch verfolgt werden sollten.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. J. Matthias Wenderlein, Universität Ulm, 89075 Ulm

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goesele
am Mittwoch, 18. November 2015, 18:46

Internet-Portal - so nötig wie ein Kropf

Schaut man sich die Zahl der Beiträge in diesem Beschwerde-Portal an und bedenkt, wieviel Patientenkontakte es in der Arztpraxis gibt - dann ist leicht erkennbar, dass sich die Beschwerden im Promille-Bereich bewegen. Was mich als Augenärztin aber doch erheblich stört ist der Satz: "Jene mit regelmäßigem ärztlichen Check-up unterschieden sich in Sterblichkeitsdaten nicht von jenen ohne Teilnahme an Vorsorgemaßnahmen." Dass eine unterlassene Glaukom-Vorsorge zu einem vorzeitigen Tod führen würde, behauptet niemand. In unserem Fach geht es selten um Lebensverlängerung. Aber uns geht es um Lebensqualität. Unsere augenärztliche Aufgabe ist es, zu verhindern, dass die Menschen ihre Erblindung erleben. Und hier ist die so heftig kritisierte Glaukom-Vorsorge eindeutig von Vorteil. Wie der MDK des Spitzenverbandes behaupten kann, dass es hierzu keine Studien gebe, ist mir ein Rätsel. Mit dieser Behauptung wurde sogar ein Video ins Netz gestellt:
http://www.igel-monitor.de/543.htm
Während allerdings der IGeL-Monitor keine Studie gefunden haben will, die den Nutzen der Glaukom-Vorsorge belegt, zitiert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft über zwölf Literaturstellen:
http://www.dog.org/wp-content/uploads/2015/11/SN-Glaukom-August-2015.pdf
Wie kommt eine solche Diskrepanz zustande? Beim IGeL-Monitor haben eben nicht wissenschaftliche, sondern wirtschaftliche Gründe die entscheidende Rolle gespielt. Ein unentdecktes Glaukom ist nun einmal erheblich billiger. Die Behandlung mit Augentropfen, Operationen und anderes kostet schließlich Geld. Aber das Blindengeld bei einem zu spät entdeckten Glaukom zahlen nicht die Krankenkassen, sondern andere staatliche Institutionen. Das sagt nur niemand laut.
Darum halte ich den IGeL-Monitor und das Beschwerdeportal nicht nur für überflüssig, sondern für potentiell schädlich. Eigentlich gehört es wegen Irreführung der Bevölkerung verboten. Dass ein solches Portal auch noch Geld vom Ministerium bekommt, ist wirklich unverständlich. Da ist es nur gut, dass die Finanzierung bald ausläuft.

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