ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1996American College of Cardiology: Amiodaron in der Postinfarktphase

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American College of Cardiology: Amiodaron in der Postinfarktphase

GB

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LNSLNS Mehrere Studien haben beim 45. Treffen des American College of Cardiology in Orlando die Diskussion um die Primär- und Sekundärprophylaxe des Myokardinfarktes angeheizt. Hierbei sind Substanzen aus den Bereichen Antiarrhythmika, CSE-Hemmer und Vitamine involviert.


Die Leiter der EMIAT- und CAMIAT-Studie wollten sich nach Präsentation der Daten in Orlando noch nicht darauf festlegen lassen, ob man schon eine Indikationsausweitung für Amiodaron empfehlen könne – "aber man werde darüber nachdenken", meinte Professor Peter Schwartz aus Pavia. In beiden Studien, "European Myocardial Infarction Amiodarone Trial" und "Canadian Amiodarone Myocardial Infarction Arrhythmia Trial", hatte die prophylaktische Gabe von Amiodaron bei Postinfarktpatienten zu einer statistisch signifikant geringeren Zahl von arrhythmiebedingten Todesfällen beziehungsweise reanimationspflichtigem Kammerflimmern geführt.
Die Risikoreduktion im Vergleich zu den Kontrollgruppen betrug 35 bis 50 Prozent. Das konnte bisher noch mit keinem Antiarrhythmikum gezeigt werden. Im Gegenteil, alle früheren Versuche, Risikopatienten nach akutem Myokardinfarkt vor potentiell letalen tachykarden Rhythmusstörungen zu schützen, waren frustran ausgegangen. Sowohl in CAST (Cardiac Arrhythmia Suppression Trial) als auch in SWORD (Survial With Oral D-Sotalol) hatten die eingesetzten Antiarrhythmika – die Klasse-I-Substanzen Flecainid, Encainid, Moricizin beziehungsweise der Klasse-III-Prototyp D-Sotalol – zur Übersterblichkeit in den Verumgruppen geführt.
Etwas getrübt wurde die allgemeine Begeisterung über die Studienergebnisse dadurch, daß unter Verum die Gesamtsterblichkeit und die kardiale Gesamtletalität zwar im Trend, aber nicht statistisch signifikant abgenommen hatten.
In beiden Studien waren Patienten ab dem fünften bis 21. (EMIAT) beziehungsweise 45. Tag (CAMIAT) nach akutem Myokardinfarkt doppelblind randomisiert zusätzlich zur bestmöglichen Basistherapie mit Amiodaron oder Plazebo über zwei Jahre behandelt worden.
Die mittlere Verumdosis lag nach der Aufsättigungsphase bei 200 mg pro Tag. Wesentliche Ausschlußkriterien waren neben instabiler Angina pectoris und Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium IV auch behandlungsbedürftige symptomatische Ar-rhythmien sowie Erkrankungen der Leber, Schilddrüse oder Lunge.
Der Unterschied zwischen den beiden Studien lag in der Definition ihres erhöhten Risikos. In EMIAT wurden die 1 486 Patienten eingeschlossen, wenn mit Hilfe der quantitativen Sequenzszintigraphie eine EF < 40 Prozent festgestellt wurde, unabhängig davon, ob im Holter-Monitoring eine ventrikuläre Ektopie nachgewiesen wurde oder nicht. Dagegen mußten bei den 1 202 Patienten in CAMIAT im 24-Stunden-HolterMonitoring pro Stunde mehr als zehn ventrikuläre Extrasystolen oder mindestens eine ventrikuläre Salve (drei oder mehr konsekutive Extrasystolen pro Minute) vorhanden sein. GB

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