ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2015Grosseltern-Enkel-Beziehung: Außerordentliche Glaubwürdigkeit

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Grosseltern-Enkel-Beziehung: Außerordentliche Glaubwürdigkeit

Moser, Tilmann

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Es ist ein Glücksfall: Der Autor ist ein in vielen Selbsterfahrungen gereifter Psychoanalytiker und ein begeisterter Großvater mit einer Vielzahl von Enkeln aus mehreren Altersgruppen. Er ist ein Sprachkünstler, der die Wissenschaftssprache fruchtbar vermählt mit Poesie, so dass man seine Texte als Sprache des Herzens bezeichnen könnte. Seine mutige Fähigkeit, auch Persönliches, ja Intimstes aus seiner eigenen Biografie und Erinnerung mitzuteilen, gibt dem Buch eine außerordentliche Tiefe und Glaubhaftigkeit. Er gibt dem Leser auch die Warnung mit auf seine Lektüre: Negative Erfahrungen der Großeltern-Enkelbeziehungen bleiben ausgespart, weil er sie einfach nicht erlebt hat – dies zur Erklärung seiner manchmal fast euphorischen Tonlage. Nicht umsonst wählte er den in der Überschrift zitierten Spruch von Victor Hugo zum Motto seines Buches: „Großvaters familiärer Abstand und seine altersentsprechende Sensibilisierung machen es ihm leichter, als es ihm selbst vielleicht in jungen Jahren mit seinen eigenen Kindern gefallen ist, zum Begleiter und ,Beschützer’ ihrer Selbstwerdung zu werden.“

Es ist das gemeinsame Wachstum, die wechselseitigen Anregungen und Herausforderungen, die ihn faszinieren, die gegenseitigens Identifizierung, die es dem Alternden auch leichter machen, seine zunehmenden Behinderungen zu ertragen. Er reflektiert das Staunen der Kinds-Eltern wie ihren Neid über die Entwicklung ihrer Eltern zu Großeltern, denen noch einmal so viele Reifungs-chancen zuwachsen, auch indem sie geben, was sie selbst nie erhalten hatten.

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Heisterkamp bebildert sein Buch in rührender Weise mit seinen sicher in dicken Mappen gesammelten Enkel-Zeichnungen und -briefen, aber auch mit berühmten Gemälden zum Thema. Er lässt sich beeindrucken von der Sprachentwicklung der Kinder, der Reifung ihrer Neugier wie ihrer Autonomie und ihrer Nutzung der viel geringeren Ambivalenz, die zwischen ihnen und den Großeltern herrscht: Es ist ein neuer Raum der Entfaltung, von dem sie in unterschiedlichster Weise Gebrauch machen. Dort können sie nämlich finden: „Ruhe, Halt und Mut.“

Nicht zuletzt ist das Buch auch als Lehrbuch für Psychotherapeuten zu lesen, die in ihrer Ausbildung aktive Entdeckung intergenerativer Schichtung der oft unbewussten Bedeutung der Großeltern wenig üben. Heisterkamp würdigt sie als eine oft wenig genutzte Ressource bei der Entwicklung der Persönlichkeit. Tilmann Moser

Günter Heisterkamp: Vom Glück der Großeltern-Enkel-Beziehung. Psychosozial-Verlag, Gießen 2015, 280 Seiten, kartoniert, 24,90 Euro

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