ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2015Radio- plus Hormontherapie bei Prostatakarzinom: Bei Komorbidität sind Langzeitergebnisse schlechter

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Radio- plus Hormontherapie bei Prostatakarzinom: Bei Komorbidität sind Langzeitergebnisse schlechter

Meyer, Rüdiger

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Die Androgendeprivationstherapie (ADT) beim Prostatakarzinom erfolgt mit GnRH-Agonisten. Hersteller müssen auf ein erhöhtes Risiko von kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt, plötzlichem Herztod oder Schlaganfall hinweisen. Ob die Risiken den langfristigen Erfolg der Behandlung gefährden, war bislang unbekannt.

Forscher vom Brigham and Women’s Hospital in Boston, Massachusetts, haben nun die Langzeit-ergebnisse einer eigenen Studie ausgewertet, in der von 1995–2001 206 Patienten auf eine Radiotherapie (RT) oder eine RT plus ADT randomisiert worden waren. Nach median 16,6 Jahren waren 156 Teilnehmer gestorben, nur 29 am Prostatakarzinom. Bei weiteren 39 Patienten waren die Todesursachen kardial und bei 88 gab es andere Ursachen.

Geschätztes 15-Jahres-Überleben von Prostatakarzinompatienten mit moderater oder schwerer Komorbidität
Grafik
Geschätztes 15-Jahres-Überleben von Prostatakarzinompatienten mit moderater oder schwerer Komorbidität

In der aktuellen Analyse wurden die Patienten nach ihren Vorerkrankungen, die mit dem Fragebogen ACE-27 (Adult Comorbidity Evaluation-27) erhoben wurden, unterschieden in Patienten ohne oder mit minimaler Komorbidität und in Patienten mit moderater oder hoher Komorbidität. Bei geringer oder keiner Komorbidität lag das 15-Jahres-Überleben bei 30,52 % bei RT allein und bei 43,77 % bei zusätzlicher GnRH-Therapie. Bei mittelschwerer bis schwerer Komorbidität war es genau andersherum: Hier erhöhte die zusätzliche ADT das Sterberisiko (15-Jahres-Überleben: 20,00 % bei RT alleine und 8,33 % bei RT plus ADT), in erster Linie durch einen Anstieg der kardialen Todesfälle. Da die Untersuchung retrospektiv erfolgte und nicht genau bekannt war, worauf die Komorbidität beruhte, kann die erhöhte Sterblichkeit nicht beweisen, dass kardiovaskuläre Risiken der Medikamente für die Übersterblichkeit bei komorbiden Patienten verantwortlich waren.

Fazit: Bei moderat oder schwer komorbiden Patienten mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen sollte die Indikation zur Kombination von Bestrahlung plus Androgendeprivation wegen kardialer Risiken kritisch gestellt und bei Patienten mit erhöhter kardialer Komorbidität eine aktive Surveillance bevorzugt werden. Rüdiger Meyer

D’Amico AV, Chen MH, Renshaw A, Loffredo M, Kantoff PW: Long-term follow-up of a randomzied trial of radiation with or without androgen dreprivation therapy for localized prostate cancer. JAMA 2015; 314: 1291-3.

Geschätztes 15-Jahres-Überleben von Prostatakarzinompatienten mit moderater oder schwerer Komorbidität
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Geschätztes 15-Jahres-Überleben von Prostatakarzinompatienten mit moderater oder schwerer Komorbidität

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