ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2015Typ-2-Diabetes mit schwerer Niereninsuffizienz: Metformin ist mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetes mit schwerer Niereninsuffizienz: Metformin ist mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert

Eckert, Nadine

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Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und eingeschränkter Nierenfunktion stand das orale Antidiabetikum Metformin lange im Verdacht, das Risiko für Laktatazidosen zu erhöhen und galt daher als kontraindiziert. Vor kurzem wurde die Indikation aufgrund neuer Evidenz ausgeweitet auf Diabetiker mit leicht bis mittelgradig eingeschränkter Nierenfunktion: Die eGFR-Grenze für die Anwendung von Metformin liegt nun bei 45 mL/min/1,73 m2. Wie sich Metformin bei Patienten mit fortgeschrittener Nierenerkrankung tatsächlich auswirkt, war allerdings bislang kaum durch Daten belegt. In einer retrospektiven Kohortenstudie in Taiwan wurden Typ-2-Diabetiker mit Serumkreatininwerten > 530 µmol/L (chronische Nierenerkrankung Stadium 5) analysiert. 1 005 Patienten nahmen Metformin ein und 11 345 nicht. Als primärer Endpunkt wurde die Gesamtmortalität evaluiert. 813 Metforminanwender wurden mittels Propensity Score mit 2 439 Nichtanwendern gematcht und median 2,1 Jahre nachbeobachtet. In der Gruppe der Metforminanwender trat bei 434 von 813 Patienten (53 %) der primäre Endpunkt ein, bei den Nichtanwendern starben 1 012 von 2 439 Patienten (41 %). Nach Anpassung um mehrere Variablen erwies sich die Einnahme von Metformin als unabhängiger Risikofaktor für die Mortalität (aHR 1,35; p < 000001). Das erhöhte Mortalitätsrisiko unter Metformin war dosisabhängig und über alle Subgruppen konsistent. Auch ergab sich für Metformin verglichen mit der Nichteinnahme ein erhöhtes Risiko für metabolische Azidose (1,6 vs. 1,3 Ereignisse pro 100 Patientenjahre; aHR 1,30), wenn auch nicht signifikant (p = 0,19).

Sterblichkeit jeglicher Ursache bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz
Grafik
Sterblichkeit jeglicher Ursache bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz

Fazit: „Die Änderung des Grenzwertes zur Kontraindikation Niereninsuffizienz für die Behandlung mit Metformin war richtig“, kommentiert Prof. Dr. med. Horst-Harald Klein, Bochum, der dem Ausschuss „Pharmakotherapie des Diabetes“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft vorsitzt, „denn unter Beachtung der Voraussetzungen (ab eGFR < 60 mL/min/1,73 m2 reduzierte Dosis, engmaschige Überwachung der Nierenfunktion, Fehlen anderer Faktoren, die das Laktatazidoserisiko erhöhen) ist das Laktatazidoserisiko extrem gering“. Die Änderung des Grenzwertes dürfe aber nicht missverstanden werden als Freibrief für eine sorglosere Anwendung von Metformin ohne Beachtung der oben genannten Voraussetzungen oder bei jeglicher Form der Niereninsuffizienz. Hierauf, so Klein, weise die vorliegende Publikation trotz der zweifellos bestehenden methodischen Einschränkungen (retrospektive Kohortenstudie und Matching mit Propensity Score) noch einmal eindrücklich hin.

Nadine Eckert

Hung SC, et al.: Metformin use and mortality in patients with advanced chronic kidney disease: national, retrospective, observational, cohort study. Lancet Diabetes Endocrinol 2015; 3: 605–14.

Sterblichkeit jeglicher Ursache bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz
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Sterblichkeit jeglicher Ursache bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz

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