ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2015Allgemeinmedizin: Praxisnahe Ausbildung gar nicht erwünscht
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Es ist sehr zu begrüßen, dass die Allgemeinmedizin sich als Fach im Aufwind sieht, die eindrucksvollen Bemühungen und Erfolge dazu wurden dargestellt. Was aber fehlt, ist der Hinweis darauf, dass die Hochschulmedizin gar kein Interesse an einer praxisorientierten und auf eine Niederlassung zielende Ausbildung hat – zu sehr wollen die medizinischen Fakultäten eine wissenschaftlich-elitäre akademische Medizin pflegen und sich gegen das Modell einer „Medical School“ absetzen, dessen Konkurrenz sie derzeit fürchten. Ich habe über viele Jahre versucht, einen „Praxistag“ im Kinderheilkunde-Praktikum zu initiieren, da das Spektrum der stationären Pädiatrie mit dem Alltag einer Kinder- und Jugendlichen-Praxis nicht viel gemein hat und die klassische Kinderheilkunde heute weitgehend in den Praxen ausgeübt wird. Nach vielen Jahren und organisatorischen Hindernissen ist es mit Unterstützung der akademischen Fachvertreter schließlich im Rahmen eines unbezahlten Lehrauftrages geglückt, einen solchen „Praxistag“ als festen und gut angenommenen Bestandteil des Praktikums zu etablieren. Als ich dem Studiendekan für die Erteilung des (unbezahlten) Lehrauftrages dankte, wirkte er ziemlich unglücklich und erklärte mir das eingangs geschilderte Problem, welches mir ebenso wenig wie wohl den Lesern des DÄ bekannt war: Man wolle das ja gar nicht, eine praxisnahe Ausbildung, sondern eine akademisch-wissenschaftliche, sonst sehe man sich ja einer Medical School gleichgestellt und damit degradiert. Dies erklärt den Widerstand vieler Fakultäten, Fächer wie Allgemeinmedizin, Familienmedizin oder Praxispädiatrie überhaupt gleichgestellt in den Kanon zu übernehmen – ungeachtet der Tatsache, dass sich die ärztliche Betreuung überwiegend in den Praxen abspielt.

Dr. med. Stephan Heinrich Nolte, Kinder- und Jugendarzt, 35039 Marburg/Lahn

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